03.03.2009, 09:20 Uhr | Sascha Plischke
Preisverleihung in Barcelona: Bei den diesjährigen FIASCO-Awards wurde Windows Vista zum größten Technik-Fiasko des vergangenen Jahres gekürt. (Quelle: FIASCO) ist das größte Technik-Fiasko des vergangenen Jahres. Das meinen zumindest die Macher der Fiasco Awards, die nun in Barcelona die größten Enttäuschungen in der IT-Branche ausgezeichnet haben. Vista sei eines der besten Technikprodukte des vergangenen Jahres, die in einer Pleite geendet hätten. Einen Monat hatten Internetnutzer über den Preisträger abstimmen können. Der Preis krönt die lange Leidensgeschichte von Vista, das Ende 2009 von abgelöst werden soll.
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Vista setzte sich in der Abstimmung gegen Googles gescheiterte Online-Community Lively und die virtuelle Welt Second Life durch. Insgesamt sprachen sich 82 Prozent der Teilnehmer für das Windows-Betriebssystem als größtes Technik-Fiasko aus. Für die Nominierung war zuvor wichtig gewesen, welchen Ausmaß das Fiasko hatte und ob sich Lehren daraus ziehen ließen. DIe Jury stellte darüber hinaus klar, dass es ihr nicht darum ging, Windows Vista zu diskreditieren. Vielmehr wollten die Veranstalter eine positive Einstellung gegenüber Misserfolgen zu fördern – das Scheitern sei schließlich ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Erfolg. Hinter der Auszeichnung steht eine Vereinigung spanischer IT-Ingenieure.
Tatsächlich kann Windows Vista für nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zum Erfolg sein. Viele Konsumenten verwenden das Betriebssystem nur, weil es beim Kauf eines neuen Computers bereits installiert war. Große Unternehmen, die bei Microsoft für einen wesentlichen Teil des Umsatzes mit Betriebssystemen sorgen, haben Vista weitgehend ignoriert. Microsoft muss deshalb jetzt auf den Nachfolger Windows 7 setzen und hoffen, dass Anwender nun wenigstens mit der nächsten Windows-Generation den Umstieg wagen. Nach dem vielgeschmähten Vista, so die Idee, kann der Nachfolger nur gut dastehen.
Diese Theorie vertritt auch der amerikanische IT-Experte Larry Seltzer. In einem Artikel für das Online-Magazin eWeek stellte der Journalist die These auf, dass Vista ein notwendiger Testballon für Microsoft war. Neue Funktionen wie das Sicherheitsfeature User Account Control (UAC) oder Kompatibilitätsprobleme mit alten Treibern habe Microsoft bei Vista ausprobieren und beheben können. Somit könne Windows 7 nun ein besseres System mit ausgefeilten Funktionen werden. Microsoft dürfte diese These nicht gefallen. Sie würde bedeuten, das die Käufer von Windows Vista Teil eines einzigen, große Beta-Tests gewesen wären.
Trotzdem kann Microsoft für sein nächstes Betriebssystem viel aus seinen Erfahrungen mit Windows Vista lernen. Neben den Problemen mit der ständig nervenden UAC, Treiber-Ärger und alter Software, die mit Vista nicht mehr verwendbar war, hatte das System generell einen schweren Stand gegen seinen beliebten Vorgänger Windows XP. Das einfache und nach Jahren endlich ausgereifte System hatte das Vertrauen der Nutzer gewonnen und Vista starke Konkurrenz gemacht. Hinzu kam, dass Vista höhere Hardwareanforderungen stellte, was sich insbesondere mit dem Boom preisgünstiger, aber rechenschwacher Mini-Notebooks für Microsoft zum Absatzhindernis entwickelte. In der Folge hatten die Kunden immer neue Verschiebungen des Verkaufsstopps für Windows XP gefordert, während die Konsumenten gleichzeitig nur zögernd Vista für ihre Heim-PC kaufen wollten.
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Sascha Plischke
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