06.06.2008, 15:20 Uhr | Christoph Schmidt
Der Erpresser-Virus teilt seinen Opfern mit, er habe die Dateien verschlüsselt. (Bild: Kaspersky)Verzweifelter Hilferuf aus dem Lager der Virenjäger: Der Sicherheitskonzern Kaspersky benötigt dringend Hilfe bei der Bekämpfung eines besonders unangenehmen Schädlings. Der kapert auf den Rechnern seiner Opfer sensible Dateien, verschlüsselt sie und gibt sie nur gegen Lösegeld wieder frei. Wer nicht zahlt, sieht seine Daten nie wieder. Die Sicherheitsexperten wollen die Verschlüsselung knacken – und hoffen dabei auf die Internet-Gemeinde.
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Offenbar handelt es sich bei dem Erpresser-Virus um eine neue Variante des digitalen Parasiten Gpcode, der bereits in der Vergangenheit Internetnutzer attackierte. Der Schädling kapert bei seinem Angriff etwa Word- und PDF-Dateien, aber auch verschiedenste Bildformate und verschlüsselt sie mit einem nahezu knacksicheren Algorithmus von 1024 Bit Länge.
Opfer sollen Angreifer bezahlen
Eine Nachricht fordert die Opfer des Virus daraufhin zum Kauf eines Entschlüsselungsprogramms auf: "Your files are encrypted with RSA-1024 algorithm. To recovery your files you need to buy our decryptor. To buy decrypting tool contact us at: *** @yahoo.com". Dabei rät Kaspersky betroffene davon ab, den Rechner auszuschalten - man solle sich vielmehr von einem nicht infizierten Rechner an die Virenspezialisten direkt wenden.
Knacksicherer Schlüssel
Den Kaspersky-Experten zufolge gibt es bislang keine Möglichkeit, eigenständig die Daten wiederherzustellen. Die 1024 Bit RSA-Verschlüsselung sei zu stark. Diese nutze zum Verschlüsseln einen öffentlichen Schlüssel, zum Entschlüsseln allerdings einen privaten Code. Nur wer im Besitz dieses Schlüssels ist, kann die gesperrten Dateien wieder herstellen - in diesem Fall sind das die Autoren des Erpresser-Virus.
Letzte Hoffnungen ruhen auf der Internet-Gemeinde
Um dem Schädling doch noch beizukommen will Kaspersky nun die Hilfe der Internet-Gemeinde in Anspruch nehmen. Kryptographen, unabhängige Forscher oder mathematische Institute sollen dem Sicherheitskonzern beistehen, um den eigentlich unknackbaren Code des Schädlings doch zu lösen. So will Kaspersky das Geschäftsmodell der Verbrecher aushebeln. Die beiden offen einsehbaren Elemente des Codes hat das Unternehmen bereits veröffentlicht und wartet nun auf ein Wunder. Denn um das Zahlenungetüm tatsächlich zu entwirren ist eine ungeheure Rechenleistung nötig – Spezialisten sprechen von der Power von 15 Millionen Hochleistungs-PC, die ein Jahr lang ununterbrochen an der Aufgabe arbeiten.
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Christoph Schmidt
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