05.02.2009, 09:24 Uhr | Sascha Plischke
Hackern gelingt Millionen-Coup. (Foto: t-online.de)Mit einem koordinierten globalen Raubzug hat eine Gruppe von Hackern insgesamt neun Millionen US-Dollar gestohlen. Das berichtet das US-Magazin Wired in seiner Online-Ausgabe. Opfer des Angriffs war der Finanzdienstleister RBS World Pay, der für zahlreiche Unternehmen die Auszahlung von Lohngeldern abwickelt. Die Hacker hatten zunächst die Server des Unternehmens geknackt und hoben dann mit den gestohlenen Informationen an Geldautomaten rund um die Welt Geld ab.
Der Angriff auf die Server von RBS World Pay war bereits Ende vergangenen Jahres bekannt geworden. Damals hatte das Unternehmen den Verlust von 1,5 Millionen Kundendaten zugegeben. Diese Daten seien allerdings nicht für einen Diebstahl geeignet, so das Unternehmen damals. Wie nun bekannt wurde, hatten die Hacker allerdings kein Interesse an den Namen oder Adressen – Ziel ihres Angriffs waren deutlich lukrativere Informationen.
Tatsächlich waren die Hacker hinter den Daten so genannter Debit Cards her. Diese Karten dienen in den USA zahlreichen Unternehmen als moderne Alternative für den Lohnscheck: Das Geld wird auf einer Magnetkarte gutgeschrieben, das der Angestellte dann an Bankautomaten abheben kann. RBS World Pay ist einer der größten Dienstleister für diese Art des Zahlungsverkehrs. Bei ihrem Einbruch in die Computersysteme des Unternehmens war es den Hackern gelungen, an Kontoinformationen und Kartendaten zu knapp einhundert dieser Debit Cards zu gelangen. Damit konnten die Kriminellen Kopien dieser Karten herstellen.
Damit jedoch nicht genug: Zusätzlich hatten die Hacker das Auszahlungslimit für die gestohlenen Karten aufheben können. Damit starteten die Hacker am 8. November 2008 dann den zweiten und entscheidenden Teil ihres weltweiten Coups: Schlag Mitternacht amerikanischer Ostküstenzeit hoben Komplizen der Bande an nacheinander 130 Geldautomaten von Moskau bis Atlanta die Maximalsumme ab. Insgesamt neun Millionen US-Dollar konnte die Bande so erbeuten.
Der Fall ist indes nicht der einzige in den vergangenen Wochen. So hatten ebenfalls Ende 2008 Hacker einen in das Netzwerk des Rechnungsdienstleisters Heartland eingeschleust und so bis zu 100 Millionen Kreditkartendaten entwendet. Auch hier bestritt das Unternehmen den Diebstahl wertvoller Informationen – in Untergrundforen wurde da bereits um die besten Daten gefeilscht. Auch die Rechnungsabteilung der Royal Bank of Scotland musste kurz vor Weihnachten einen Einbruch in ihre Systeme zugeben. Dabei waren persönliche Informationen von 1,5 Millionen Kreditkartenbesitzern gestohlen worden.
Sascha Plischke
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