06.06.2008, 11:59 Uhr | Christoph Schmidt
Die Filmindustrie mahnte drei Laserdrucker ab. Der Vorwurf: Sie sollen illegal Filme getauscht haben. (Bild: dmca.cs.washington.edu)Eine Studie der Universität Washington zur Nutzung des BitTorrent-Netzwerkes wirft kein gutes Licht auf die Filmindustrie. Offenbar sehen die Raubkopiejäger des US-Filmverbandes MPAA bei ihrem Kampf gegen Online-Tauschbörsen und deren Nutzer nicht so genau hin. Anders lässt es sich kaum erklären, dass jetzt sogar drei Laserdrucker abgemahnt wurden. Der Vorwurf: Die Geräte sollen aktuelle Hollywood-Filme über das BitTorrent-Netzwerk heruntergeladen haben.
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Hunderte unberechtigte Abmahnungen
Tadayoshi Kohno von der Universität Washington untersuchte mit seinem Team im August 2007 und Mai 2008 das Nutzerverhalten in BitTorrent-Netzwerken. Die Forscher wollten feststellen, wer in den Tauschbörsen was verbreitet. Den Daten-Verkehr zwischen den Nutzern überwachten sie mit speziellen Programmen. Obwohl diese Programme sich nicht am Tausch von Dateien beteiligten, flatterten den Wissenschaftlern über 400 Abmahnungen von US-Unterhaltungsverbänden ins Haus. Daraus schlossen die Forscher, dass die Piratenjäger der Medienkonzerne lediglich die IP-Adressen der Teilnehmer von Tauschbörsen protokollieren und keinesfalls überprüfen, ob sich der Nutzer tatsächlich am Tausch von Raubkopien beteiligt.
Anti-Raubkopie-Reklame (Foto: respectcopyrights.de)IP-Adressen manipuliert
Die Forscher zeigen in ihrer Studie zudem, wie sich IP-Adressen so manipulieren lassen, dass ein anderer Nutzer für das Filesharing verantwortlich gemacht werden kann. Hierzu passten sie ihre Überwachungsprogramme an, so dass diese unter anderen IP-Adressen auftraten - und zwar unter denen dreier Laserdrucker der Universität. Der Verband der US-Filmindustrie MPAA mahnte anschließend tatsächlich diese Geräte ab. Der Vorwurf: Sie sollen illegale Kopien der Filme Iron Man und Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels heruntergeladen haben.
Piratenjäger schlampen bei der Arbeit
Die Ergebnisse der Tauschbörsen-Studie sind für die Medienkonzerne wenig erfreulich. "Unsere Studie zeigt wissenschaftlich, dass Lücken bestehen", sagte Kohno gegenüber der New York Times. Viele Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen in Tauschbörsen seien unberechtigt. Es könne sogar Personen treffen, die niemals zuvor eine Tauschbörsen genutzt haben. Deshalb fordert Kohno von der Unterhaltungsindustrie ein genaueres Vorgehen bei der Verfolgung von Urheberechtsverletzungen im Internet.
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Christoph Schmidt
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