10.02.2010, 09:29 Uhr | Andreas Lerg
Symbolbild Alarmzeichen. (Quelle: t-online.de)
Spy Eye, ein neuer gefährlicher Trojaner aus Russland, stiehlt Online-Zugangsdaten von Bankkonten seiner Opfer und holt deren Computer in ein Botnetz. Da in kriminellen Kreisen Konkurrenz nur ungern gesehen wird, jagt Spy Eye nebenher den Rivalen Zeus. Der neue Trojaner verfügt über die Funktion Kill Zeus, mit der Spy Eye den Computer von der Zeus-Verseuchung befreit, nur um ihn dann selbst zu infizieren. Der Trojaner und das Botnetz Spy Eye sind bisher relativ unbekannt und kaum verbreitet. Doch Experten erwarten einen rapiden Anstieg von Infektionen.
Spy Eye hat bis vor Kurzem keine große Rolle gespielt. Das wollen die Cyber-Kriminellen hinter dem Trojaner aber anscheinend ändern, denn mit der neuen Kill Zeus-Option wird dieser Trojaner laut Computerworld mittlerweile als besonders aggressiv bewertet. Befällt der Spy Eye-Trojaner einen PC, macht er das gleiche wie Zeus. Beide Trojaner haben es auf die Zugangsdaten zu Online-Bankkonten abgesehen. Die so geknackten Konten werden nicht nur geplündert, sondern vor allem als Transferkonto für illegale Geldschiebereien missbraucht.
Doch die Online-Kriminellen hinter Spy Eye scheinen zusätzlich den Konkurrenten und das gigantischen Zeus-Botnetzes vernichten zu wollen. Denn sobald der Spy Eye-Trojaner den Rivalen auf einem infizierten Computer aufspürt, löscht er dessen verborgene Programme und setzt sich selbst an dessen Stelle im System fest. Außerdem fängt Spy Eye die Datenübertragungen vom Computer an das Zeus-Botnetz ab und leitet sie an seine Hintermänner um. Damit stiehlt Spy Eye dem Zeus-Netz einen versklavten Computer. Die Cyber-Gangster wollen damit das Konkurrenz-Botnetz schwächen und verkleinern, um das eigene schneller auszubauen.
Experten von Symantec entdeckten den Spy Eye-Trojaner erstmals im Dezember in russischen Hacker-Foren. Die Entwickler verkaufen ihn als eine Art Baukasten an Online-Kriminelle für etwa 360 Euro. Der Käufer baut sich dann mit diesem Baukasten einen eigenen maßgeschneiderten Trojaner zusammen und bringt ihn im Internet in Umlauf, um so eigenes Botnetz aufzubauen. Spy Eye ist deutlich billiger als Zeus, dessen Baukasten kostet in einschlägigen Kreisen das vier- bis fünffache. Symantec Sicherheitsexperte Ben Greenbaum erklärte gegenüber Computerworld, dass der neue Trojaner derzeit sehr aktiv weiterentwickelt werde. Es kämen ständig neue Funktionen hinzu. Obwohl Spy Eye bisher auf nur wenigen Computern zu finden sei, rechnet Greenbaum mit einem Anstieg der Infektionen. Dass der neue Trojaner den Konkurrenten Zeus nicht nur eliminiert und ersetzt, sondern sogar dessen Datenübertragungen abfangen und umleiten kann, mache den neuen Schädling sehr attraktiv für Cyber-Gangster, denn sie können vom gigantischen Zeus-Botnet profitieren.
Der Zeus-Trojaner, auch als Zbot bekannt, ist einer der am meisten verbreiteten Schädlinge, die Zugangsdaten zu Bankkonten stehlen. Hat Zeus einen Computer infiziert, wartet er heimlich ab, bis sein Opfer sich bei seinem Online-Banking-Konto anmeldet. Dann kopiert der Trojaner Passwort und Benutzername und schickt die Daten an seine Auftraggeber. Zusätzlich kann Zeus die Login-Seiten der Banken im Internet-Browser des Opfers so anpassen, dass beispielsweise Eingabefelder für Transaktionsnummern auftauchen – gibt ein gutgläubiger Internetnutzer sogar diese ein, können die Urheber des Trojaners plötzlich ganz einfach bis zum gesetzten Limit Geld von den ausspionierten Konten abheben.
Zum Schutz gegen solche Trojaner und Botnetze ist es wichtig, stets aktuelle Antiviren-Software auf dem Computer einzusetzen. Sie wehrt effektiv Viren, Trojaner und die meisten anderen Bedrohungen ab. bieten bereits einen Basisschutz. Umfangreiche Informationen zum Schutz Ihres Computers vor Viren und anderen Gefahren finden Sie im Computer-Insider-Virenspecial.
Andreas Lerg
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