30.10.2009, 09:19 Uhr | Andreas Lerg
Spam-König zu 711 Millionen US-Dollar Schadenersatz verurteilt. (Foto: Microsoft)Der selbst ernannte -König Sanford Wallace muss die gewaltige Summe von 711 Millionen US-Dollar Schadenersatz an zahlen. Das Bezirksgericht in Nordkalifornien verurteilte ihn in einem Zivilrechtsprozess wegen des massiven Versands von Spam-Nachrichten an Facebook-Nutzer. Die Höhe der Schadenersatzsumme muss den Spammer nicht überraschen: Auch an MySpace hat Wallace schon eine dreistellige Millionensumme überwiesen.
"Die Aufzeichnungen belegen, dass Wallace durch sein Verhalten willentlich die in Frage kommenden Regelungen verletzt und auf eklatante Art und Weise die Rechte von Facebook und den Nutzern von Facebook, deren Konten manipuliert wurden, missachtet hat." So lautete die Urteilsbegründung des Richters Jeremy Fogel. Wallace und zwei Komplizen waren von dem Social Network Facebook verklagt worden, weil sie sich widerrechtlich Zugang zu den Konten unzähliger Nutzer verschafft hatten. Über diese Accounts verschickte die Bande Unmengen von Werbe-Nachrichten und Phishing-Mails.
Richter Fogel verurteilte Wallace zur Zahlung des hohen Schadenersatzes, weil er willentlich und massiv gegen das Anti-Spam-Gesetz Can Spam-Act verstoßen habe. Das verbietet ausdrücklich den unaufgeforderten Versand irreführender Werbe-Nachrichten. Zudem habe Wallace mit seinen Taten gegen eine zuvor verhängte einstweilige Verfügung verstoßen, die ihm den Versand von Spam untersagte. Das Urteil verbietet Wallace auch auf Lebenszeit den Zugang zur Internetseite von Facebook oder die Einrichtung eines Facebook-Nutzeraccounts.
Facebook-Sprecher Sam O'Rourke begrüßte das Urteil: "Wir erwarten, dass wir einen Großteil dieses Geldes nicht erhalten. Aber wir hoffen, dass dieses Urteil als wirksame Abschreckung gegen diese Kriminellen dient." Wallace bekam den Spitznamen Spam-König, weil er als Chef einer Internet-Werbefirma namens CyberPromotions in den 90er Jahren für den Versand von bis zu 30 Millionen Spam-Mails pro Tag verantwortlich gewesen war. Im Mai 2008 wurde er bereits zu 234 Millionen US-Dollar Schadenersatz an MySpace verurteilt. Auch dort hatte er in ähnlicher Weise wie bei Facebook Spam verbreitet. Dem ging im Jahr 2006 ein Urteil voraus, in dem er ebenfalls wegen Spam-Versandes zu 4,1 Millionen Dollar Strafe verurteilt wurde.
Mit seiner neuen Millionen-Strafe stellte Wallace jedoch noch keinen Rekord auf. Bislang wurde ein Kanadier zum höchsten Schadenersatz nach dem Can Spam-Act verurteilt und musste Ende 2008 satte 873 Millionen US-Dollar an Facebook zahlen.
Andreas Lerg
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