30.03.2010, 11:54 Uhr | pcwelt.de
Was ist das Sony P eigentlich? Sony spricht von einem UPPC, einem Ultra-Portable PC. Viele Experten wollen im Vaio P das lang erwartete Netbook von Sony sehen. Doch der Preis von rund 1000 Euro und das installierte Windows Vista rücken es eher in die Nähe eines Subnotebooks.
Auf jeden Fall ist das Sony P ein faszinierendes Stück Technik: Der mobile Winzling wiegt nur 600 Gramm. Das kleine 8-Zoll-Display zeigt die exorbitante Auflösung von 1600 x 768 Bildpunkten, normalerweise eine Auflösung für Notebooks mit 17-Zoll-Display. Als einer der ersten Mobilrechner setzt Sony im Vaio P den Intel Atom Z520 (1,33 GHz Taktrate; 512 KB L2-Cache; FSB 533 MHz) ein: Die Spar-CPU mit dem Silverthorne-Kern soll noch sparsamer arbeiten als der Netbook-Prozessor Atom N270.
Auch die Ausstattung macht das Sony P zum mobilen Allrounder, der Netbook, Smartphone und Navi ersetzen soll: Im Mini-Laptop steckt ein HSDPA-Modem, das Downloadraten von bis zu 7,2 MBit/s schafft. Außerdem verfügt das Sony P über einen GPS-Empfänger: Eine Routing-Software liegt nicht bei. Stattdessen lässt sich beispielsweise Google Maps zur Standortbestimmung nutzen.
Kleines Display, riesige Auflösung
Die hohe Auflösung macht die Darstellung gestochen scharf und erlaubt, Programmfenster auf dem Breitbild-Display übersichtlich zu positionieren. Schrift und Icons erscheinen aber extrem klein: Je nach Sehstärke muss man das Vaio P so nahe wie ein Handy vors Gesicht halten, um Details auf dem Bildschirm erkennen zu können. Selbst bei vergrößerter Windows-Schrift ermüdet das Arbeiten mit dieser Auflösung die Augen schnell. Hinzu kommt, dass Vista aufgrund der größeren Schrift den Text in vielen Menüfenstern abschneidet.
Ein weiterer Nachteil der hohen Auflösung: Das Navigieren per Trackpoint gestaltet sich extrem schwierig, da man sehr genau zielen muss, um einen bestimmten Punkt mit dem Mauszeiger zu treffen. Die Tastatur gefiel uns dagegen uneingeschränkt: Sie ist stabil, die Tasten besitzen einen deutlichen Druckpunkt und sind ausreichend groß. Für Texte ist das Sony P daher besser geeignet als manches Netbook mit Mini-Tastatur und verwirrendem Tasten-Layout.
Multimedia (über)fordert den Zwerg
Als Arbeitsrechner kommt das Vaio P also kaum in Frage. Wie sieht es mit Multimedia aus? Das Display zeigt schöne, neutrale Farben und ist sehr hell, ideal für Fotos. Die Rechenleistung des Vaio P genügt auch, um Divx-Videos in Standardauflösung oder DVDs ruckelfrei abzuspielen; die CPU-Last liegt dann bei rund 50 Prozent. Öffnet man aber während der Wiedergabe das Kontext-Menü der Abspiel-Software, treten Bildruckler auf. Flash-Videos – beispielsweise von YouTube – überfordern den Winzling meist, die Darstellung im Vollbildmodus ist unmöglich. Auch beim Abspielen von High-Definition-Videos scheitert das Vaio P: Die CPU-Last liegt konstant bei 100 Prozent, es treten Bildruckler und Tonaussetzer auf.
Beim Abspielen eines Divx-Videos im Akkubetrieb hielt das Sony P 1:45 Stunden durch; das ist okay, für ein mobiles Gerät aber keine echte Glanzleistung.
Praxistauglichkeit ungenügend
Aber nicht nur bei der Videowiedergabe, auch bei vielen anderen Aufgaben spürt man, dass die Rechenkraft des Vaio P trotz der 2 GB Arbeitsspeicher nicht für das installierte Windows Vista ausreicht: Programmfenster ziehen Schlieren beim Verschieben, auf Eingaben reagiert das Notebook mit leichter Verzögerung.
Dies spiegeln auch die Testergebnisse wieder: Im PC Mark 05 schaffte das Sony P nur 880 Punkte. Es ist damit deutlich langsamer als aktuelle Netbooks, die in diesem Test rund 1500 bis 1700 Punkte schaffen. Während der Netbook-Atom N270 im CPU-Test des PC Mark auf rund 1500 Punkte kommt, erreichte der Z520 gerade mal 1097 Punkte. Das gleiche Bild im Prozessor-Benchmark Cinebench: Der Netbook-Atom schafft hier rund 125 Punkte, der Z520 nur 97 Punkte. Aber nicht nur die schwachbrüstige CPU, auch die kleine, sparsame, aber schnarchlangsame 1,8-Zoll-Festplatte von Toshiba begrenzt die Rechenkraft des Sony P.
Eingebauter Schnellstart
Aufgrund der langsamen Festplatte braucht das Sony P rund zwei Minuten für den Windows-Start. Sony hat klugerweise eine Alternative entwickelt: Mit einem Schalter neben der Trackpoint-Taste löst man den Quick Start aus: Nach rund 20 Sekunden präsentiert das Sony P eine übersichtliche Benutzeroberfläche auf Linux-Basis, deren Menüstruktur der Playstation ähnelt. Hier stehen Browser, Skype, Messenger, Bildbetrachter sowie Musik- und Videowiedergabe zur Verfügung. Allerdings kann man selbst durch die Quick-Start-Oberfläche nicht ruckelfrei und ohne Verzögerungen navigieren.
Fazit: Faszinierend, aber wenig praxistauglich
Das Sony Vaio P ist ein faszinierendes Technik-Spielzeug: Gegen sein Design, sein hochauflösendes Display und sein geringes Gewicht wirken Netbooks und Subnotebooks nur altbacken. Der mobile Winzling löst auf den ersten Blick sofort den Haben-Wollen-Effekt aus.
Doch im Test entpuppen sich die technischen Spielereien als wenig praxistauglich: Die Displayauflösung nervt schon nach kurzer Zeit ebenso wie die geringe Rechenleistung, zu der ein Ressourcenfresser wie Windows Vista einfach nicht passt. Da greift man dann doch schnell zum leichteren Smartphone oder zum günstigeren Netbook, wenn man einen effizienten mobilen Begleiter sucht.
Quelle: PC-Welt
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