20.10.2010, 12:17 Uhr | Christian Fenselau
Falsche E-Mail droht mit Anklage. (Foto: t-online.de)
Betrüger versuchen zurzeit, mit dem Vorwurf der Urheberrechtsverletzung Kasse zu machen: In massenhaft versendeten E-Mails mit dem Betreff "Ermittlungsverfahren gegen Sie" geben sie sich als Rechtsanwalt aus und werfen dem Empfänger vor, urheberrechtlich geschützte MP3-Dateien illegal heruntergeladen zu haben. Sie drohen damit, die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Der Trick ist ihr Angebot einer außergerichtlichen Einigung: Der Beschuldigte könne das Ermittlungsverfahren abwenden, wenn er binnen vier Tagen 100 Euro an die Absender überweist.
Die Absender, die sich als Rechtsanwalt Florian Giese ausgeben, informieren in diesem Schreiben, es sei ein Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft in Stuttgart eingeleitet worden. Das Verfahren habe das Essener Unternehmen Videorama beauftragt. "Um weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und anderen Unannehmlichkeiten wie Hausdurchsuchungen, Gerichtsterminen aus dem Weg zu gehen, gestatten wir Ihnen den Schadenersatzanspruch unseres Mandanten außergerichtlich zu lösen", schreiben die Betrüger. Als Drohkulisse erklären sie, welch hohe Strafen in einem Gerichtsurteil zu erwarten sind. Anschließend bieten sie an, die drohenden Folgen per Schnellüberweisung aus der Welt zu schaffen. Die Überweisung der 100 Euro solle dabei anonym erfolgen – per Geldsendedienst UKASH. Mit UKASH lassen sich Geldbeträge über Gutscheine verschicken, die vorher erworben werden. Die Gutscheine sind keinen konkreten Personen zugeordnet, die Überweisung selbst wird dadurch anonym.
Das tatsächlich existierende Unternehmen Videorama GmbH, ein Pornofilm-Anbieter, distanziert sich von den E-Mails und bittet Betroffene, bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Unverständlich ist, wie die Täter auf einen Filmanbieter gekommen sind, da MP3-Dateien üblicherweise Musik enthalten. Eine Mitarbeiterin des Unternehmens erklärte der Nachrichtenagentur ddp, bereits über 30 Beschwerdeanrufe aus ganz Deutschland erhalten zu haben. Die Erpresser-Mails seien in der Nacht zum Dienstag versendet worden. Auch den Rechtsanwalt Florian Giese gibt es wirklich, auch er hat mit dem Betrug nichts zu tun. Auf seiner Internetseite nimmt er zu dem Betrugsversuch Stellung. Die Betrüger haben seine Internetseite täuschend echt nachgebaut und über eine andere Adresse online geschaltet. Die Kripo Hamburg ermittelt wegen Betrugsversuchs.
Die Betrüger machen sich bei dieser Masche die Verunsicherung über Urheberrechtsverletzungen zunutze. Personen, die sich urheberrechtlich geschützte Musikdateien aus dem Internet heruntergeladen hatten, wurden teilweise zu horrenden Strafen verurteilt. Viele bestritten die Tat und sahen sich dabei als Opfer eines Betrugs. Da sie auch haften, wenn sich Dritte über ihren Internetanschluss einwählen und illegal Daten herunterladen, sind die Möglichkeiten begrenzt, sich erfolgreich zu wehren. Auch Verwechslungen der Zugangsadresse sind bereits vorgekommen.
In diesem Fall ist die Angelegenheit allerdings einfacher aus der Welt zu schaffen: Da die Mails ohne persönliche Anrede verschickt werden, sind sie schnell zu erkennen und können direkt in den Papierkorb wandern. Ein Rechtsanwalt schreibt in einer derartigen Angelegenheit keine E-Mail, schon gar keine unadressierte. Das Angebot, die Ermittlungen durch eine anonyme Schnellüberweisung abzuwenden, ist nicht nur untypisch, sondern sollte als unseriös erkennbar sein. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart, bei der mittlerweile viele Verbraucheranfragen eingegangen sind, wird ebenfalls ein Ermittlungsverfahren einleiten.
Christian Fenselau
Autofan schrieb:
am 25. Oktober 2010 um 21:26:27
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Schadsoftware
Enthält die Mail auch Schadsoftware oder ruft sie lediglich zur Überweisung auf?
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Marko schrieb:
am 22. Oktober 2010 um 16:34:21
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unglaublich
Dass es sich um Betrug handelt, erkennt man schon alleine daran, dass hier per MAIL abgemahnt wird (nicht per Post) und dass man
mittels anonymer paysafecards, also prepaid bezahlen soll.
Paysafecards sind super, wenn man selbst online anonym, sicher und damit geschützt bleiben will, aber bitte doch nicht, wenn man eine "offizielle" Strafe zahlen soll!
Ich frag mich bei sowas ja echt immer, wer da wirklich drauf reinfällt - offensichtlicher geht's ja gar nimmer.
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GEMA schrieb:
am 20. Oktober 2010 um 22:34:56
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Ist ausbaufähig
Ja, das ist Betrug. Aber: Wer eine solche Mail bekommt warum bezahlt er dann wenn er sich sicher ist keine MP3-Musik
iilegal geladen zu haben? Wir würden jedem der die 100€ zahlt diese zurücküberweisen und dann wirklich Anzeige wegen Urheberrechtsverletzung erstatten. Denn wer zahlt gibt zu, illegal MP3's geladen zu haben.
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