04.03.2009, 09:18 Uhr | Sascha Plischke
Terrorismus und Filmpiraterie: Nach einer aktuellen Studie sollen Einkünfte aus dem Handel mit Raubkopien Terrorgruppen zu Gute kommen. (Montage: T-Online)Filmpiraterie begünstigt Terrorismus – zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des renommierten Think-Tanks RAND Corporation. Die Profite aus dem Handel mit seien in mehreren Fällen Terrorgruppen zu Gute gekommen. Die Studie entstand im Auftrag des europäischen Ablegers des Hollywood-Branchenverbands Motion Picture Association of America (MPAA). Das Resultat der Studie: Für Terroristen könnte Filmpiraterie zu einer wichtigen Einnahmequelle werden.
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"Für drei der dokumentierten Fälle gibt es klare Beweise, dass Terroristengruppen Einkünfte aus Filmpiraterie für ihre Aktivitäten genutzt haben", so die Studie der RAND Corporation wörtlich. Der Diebstahl geistigen Eigentums sei ein Verbrechen mit hohem Profit und geringem Risiko. Das mache den Handel mit Raubkopien nicht nur für das organisierte Verbrechen attraktiv, sondern eben auch für terroristische Zellen auf der Suche nach neuen Geldquellen.
Die Studie zitiert mehrere Fälle in denen Terrorgruppen direkt von Raubkopien profitiert haben. So betrieb der Libanese Assad Ahmad Barakat in der Drei-Länder-Region zwischen Brasilien, Paraguay und Argentinien ein schwunghaftes Verbrechersyndikat. In einem eigenen Einkaufszentrum in der paraguayanischen Stadt Ciudad del Este vertrieb Barakat, der als wichtiger Financier der libanesischen Hisbollah gilt, zahlreiche illegale Güter – darunter auch Raubkopien in großem Stil.
Ein anderer Fall zeigt die verschwimmenden Grenzen zwischen organisiertem Verbrechen, Filmpiraterie und Terrorismus. So hatte der indische Mafia-Anführer Dawood Ibrahim, groß geworden mit Schutzgelderpressung, Schmuggelei und Auftragsmorden, mit seiner Gang D-Company nach und nach die indische Filmindustrie unterwandert. Mit den so gewonnen Master-Kopien fertigte Ibrahim Raubkopien von Bollywood- und Hollywood-Produktionen in hoher Qualität an. Diese Profite finanzierten dann auch den Übergang der D-Company vom Syndikat zur Terrororganisation: die Gruppe verübte 1993 als Antwort auf Ausschreitungen gegen Teile der muslimischen Bevölkerung in Indien mehrere Bombenanschläge. Bei der Anschlagsserie in der indischen Stadt Mumbai kamen 257 Menschen ums Leben. Heute soll die D-Gang Kontakte zu Al-Qaida und anderen Terrorgruppen der Region unterhalten.
Bereits im vergangenen Jahr war der damalige US-Generalstaatsanwalt Michael Mukasey zu einem ähnlichen Schluss gekommen wie die Studie der RAND Corporation. In einer Rede hatte Mukasey damals gesagt, dass "die fortgesetzte weltweite Eskalation von Produktfälschungen und Piraterie eine ernsthafte Bedrohung für Wirtschaft und öffentliche Sicherheit" darstelle. Auch Mukasey sah damals einen direkten Zusammenhang zwischen Raubkopien von Software und Filmen und dem internationalen Terrorismus.
Die RAND Corporation ist ein Think Tank von internationalem Ansehen. Die Analysten der Organisation erarbeiten seit Jahrzehnten Studien und Konzepte für Regierungen, Behörden und Unternehmen weltweit. Die Studie wurde in Auftrag gegeben von der Motion Picture Association, dem europäischen Ableger der MPAA.
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