08.05.2009, 12:14 Uhr | Christoph Schmidt/Boris Dunkel
Online-Kriminelle versuchen immer häufiger, Computer-Nutzer mit gefälschten Sicherheitsprogrammen zu täuschen. Die Attacken mit entsprechender Software steigen von Jahr zu Jahr, wie eine Studie von Microsoft ergab. Diese so genannte Badware mausert sich zu einem ernsten Problem für die Anwender. Helfen können nur Vorsicht und gesunder Menschenverstand.
Am stärksten verbreiten sich seit eineinhalb Jahren Angriffe mit Pseudo-Sicherheitssoftware. Dabei täuschen die Online-Kriminellen ihren Opfern vor, ihre Computer seien angeblich verseucht. Dann versuchen sie die Anwender zu überzeugen, Vollversionen vermeintlicher Sicherheitssoftware zu installieren. Die angebotene Software biete jedoch kaum einen Schutz und schade oft sogar. Zwei dieser Schadprogramme, die im ersten Halbjahr 2008 noch nicht einmal unter den Top 25 von den Experten gelistet waren, seien im zweiten Halbjahr bereits auf mehr als 1,5 Millionen Computern entdeckt worden.
Badware, schädliche Software, ist ein weit verbreitetes Übel. Stets locken diese Programme mit einem Nutzen, den sie nicht oder nur kaum erbringen. Mal tarnen sie sich als unterhaltsames Puzzle-Spiel, mal als Bildschirmschoner und mal als Viren-Killer. Viele dieser falschen "Tools" finden ihren Weg mittlerweile direkt über spezielle Einblendungen beim Surfen auf den PC. Typischer Fall: Beim Online-Ausflug poppt plötzlich ein kleines Fenster auf. Dieses behauptet, eine Analyse Ihres Computers hätte ergeben, er sei nicht optimal konfiguriert, die Internet-Verbindung laufe nicht rund oder der PC sei völlig virenverseucht. Der Nutzer wird aufgefordert, mit Klick auf den "OK"-Button das Problem zu beheben.
Davon ist auf jeden Fall abzuraten, denn einmal installiert, befeuern die schwarzen Schafe aus dem Internet das PC-System mit Werbung oder schleusen gefährliche Trojaner ein. Die Verbraucherschützer derInitiative StopBadware.org haben es sich zur Aufgabe gemacht, fiese Software zu entlarven. StopBadwareversteht unter Badware Programme, die gezielt das Online-Verhalten des Nutzers ausspionieren, ungefragt Werbung auf dem Desktop platzieren oder Passwörter auskundschaften.
Den Experten zufolge zählt sogar der weit verbreitete RealPlayer zur Badware. Die Software platziert ungefragt eine Werbekomponente auf dem Rechner, die als Message Center getarnt wird. Zudem installiert sich heimlich der Rhapsody-Player – der Zugang zu einem kostenpflichtigen Musikdienst. Dabei ist nicht ersichtlich, dass das Programm mit dem RealPlayer in Verbindung steht. Bei einer Deinstallation verbleibt die Software zudem auf dem Rechner. Eine gute und völlig harmlose Alternative zum RealPlayer ist Real Alternative. Aber nicht nur Media-Player sind ein Problem. Es lauern auch Gefahren in kostenlosen Bildschirmschonern und Desktop-Icons.
Auch hinter Bildschirmschonern verstecken sich mitunter fiese Schädlinge: Manche davon verbergen hinter der nett anzusehenden Oberfläche Spionage-Software, die persönliche Informationen auskundschaftet. Die Seite themexp.org etwa bietet tausende Wallpaper, Desktop-Icons und Bildschirmschoner zum kostenlosen Download. Was der Nutzer nicht weiß: Führt er diese Anwendungen auf dem Rechner aus, installiert er ungefragt eine Armada von Spy- und Adware, die fortan mit Werbe-Einblendungen nervt.
Ein weiteres Negativ-Beispiel ist die Seite Monkeybongo.com. Das Angebot wartet mit neun Gratis-Tools zum Erstellen von Klingeltönen und Verschicken von SMS auf. Wer die Software installiert, infiziert sein System mit dem gefährlichen Trojaner TR.Dldr.Agent.etb. Der lädt prompt weitere Schädlinge aus dem Internet, die den Rechner übernehmen. Die Freude über den Gratis-Klingelton verpufft wegen des Ärgers über das virenverseuchte System.
Ein besonderes Augenmerk haben Online-Kriminelle auf Sicherheits-Programme gelegt. Die fiesen Tools spielen dabei ein doppeltes Spiel: Sie geben vor, Schädlinge aufzustöbern - tatsächlich verseuchen sie den Rechner mit digitalen Parasiten. Oder aber sie gaukeln dem Nutzer vor, sie hätten einen Trojaner auf dem PC entdeckt, den allerdings nur eine kostenpflichtige Version entfernen könne. Dabei sind die betrügerischen Programme von Qualitätsprodukten kaum zu unterscheiden und häufig mit einer gut gestalteten Benutzeroberfläche und Internet-Seite ausgestattet.
Aber nicht nur betrügerische Programme verursachen Sorgenfalten bei Internet-Nutzern. Wer plötzlich im Browser eine unbekannte Toolbar vorfindet, hat vielleicht kürzlich ein Gratis-Programm installiert. Manche Freeware installiert nicht nur sich, sondern eine Toolbar gleich mit. Viele Toolbars sind völlig ungefährlich, manche zumindest bedenklich, einige klar gefährlich. Besonders verbreitet ist die recht praktische Google Toolbar - kein Wunder, zahlt Google doch Software-Herstellern einen Dollar pro geglückte Toolbar-Installation. Die Google Toolbar gehört sicher nicht zu den bösartigen Programmen, dennoch ist sie immer wieder in die Kritik geraten, teils wegen Sicherheitslücken, teils wegen ihres laxen Umgangs mit Nutzerdaten. So sendet die Google Toolbar benutzerspezifische Daten an Google. Mittlerweile gibt es vergleichbar leistungsfähige Toolbars und somit keinen Grund mehr, die Google Bar zu installieren.
Christoph Schmidt/Boris Dunkel
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