09.10.2008, 13:03 Uhr | Sascha Plischke
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. (Quelle: dpa)Die deutsche Bundesregierung macht das Thema Online-Sicherheit zur Chefsache. Erste Maßnahme soll die Einführung einer hochoffiziellen eMail-Adresse für jeden Bürger sein. Bald sollen sich dann alle Bundesbürger eine so genannte De-Mail zulegen können. Die soll ihrem Besitzer jederzeit eindeutig zuzuordnen und deshalb besonders sicher sein. Behördenbriefe und wichtige Schreiben könnten die Bürger dann elektronisch verschicken. Ob die das Angebot aber auch annehmen, ist indes zweifelhaft.
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Schon im November will Bundeskanzlerin Angela Merkel den Dienst auf dem IT-Gipfel in Darmstadt vorstellen. Das berichtet die Financial Times Deutschland am Donnerstag. Ab 2010 soll jeder Bundesbürger die Möglichkeit haben, nach einer Überprüfung seiner Meldedaten eine eindeutig identifizierbare De-Mail-Adresse zu beantragen. Die soll nach Plänen des Bundesinnenministeriums dann den Schriftverkehr in Papierform mit Ämtern und Behörden ablösen – offizielle Stellen sollen über eine De-Mail gemachte Eingaben genauso rechtsverbindlich behandeln wie einen normalen Brief.
Bundesmail soll Schriftverkehr ablösen
Aber auch für die Kommunikation der Bundesbürger untereinander sowie mit Unternehmen soll die neue E-Mail-Adresse dienen. So ist geplant, auch digitale Einschreiben und Zustellurkunden zu generieren, die genauso verbindlich sind wie ihre Gegenstücke auf Papier. Das könnte etwa die Kommunikation mit Banken deutlich beschleunigen. Außerdem will das Innenministerium zusammen mit der Mail-Adresse einen digitalen Safe anbieten, in dem die Bürger dann wichtige Daten und Dokumente ablegen könnten.
Weltweit einmaliges Projekt
Das weltweit einmalige Projekt soll die elektronische Kommunikation sicher und vertrauenswürdig machen. Bei herkömmlichen E-Mail-Diensten könnten die Anwender nicht sicher sein, ob ihre Nachrichten "von unberechtigten Dritten" mitgelesen werde, heißt es in einem Papier des Innenministeriums. Außerdem könne der Absender nie genau festgestellt werden, was den Einsatz von eMails im offiziellen Schriftverkehr bisher unmöglich gemacht habe.
Bürger fürchten staatliche Überwachung
Ob die Bürger sich für die De-Mail begeistern können ist indes zweifelhaft. Gleich mehrere Initiativen des Innenministeriums haben die Angst vieler Deutscher vor staatlicher Überwachung geschürt. So will das Ministerium für die Jagd auf Terroristen Telefon- und Internetverbindungsdaten für sechs Monate speichern lassen. Mit dem so genannten Bundestrojaner sollen ebenfalls mutmaßliche Terroristen elektronisch überwacht werden. Viele Bundesbürger wittern nun deshalb zwischen Bits und Bytes staatliche Lauscher – und das dürfte eine schwere Hypothek sein für den nun geplanten E-Mail-Dienst.
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Sascha Plischke
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