25.06.2010, 09:54 Uhr | mit Material von dpa, AFP
Hacker Croll erriet Passwort von Barack Obamas Twitter-Konto (Bild: AFP) (Quelle: AFP)
Der junge Franzose, der die Twitter-Konten von US-Präsident Barack Obama und der Sängerin Britney Spears geknackt hat, muss nicht ins Gefängnis. Ein Gericht in Clermont-Ferrand verurteilte den "Hacker-Croll" genannten Arbeitslosen am Donnerstag zu fünf Monaten Haft auf Bewährung. Der junge Franzose sei erleichtert gewesen, berichtete der französische Rundfunk am Donnerstagabend.
Im Prozess hatte "Hacker-Croll" bestritten, ein Hacker zu sein. Er habe nie ein Konto verändert oder sonst etwas Böses getan, sagte er. Ganz im Gegenteil habe er Sicherheitslücken bei Twitter aufgedeckt. "Ich habe lediglich Screenshots gemacht." "Er bedauert, was er gemacht hat", sagte auch sein Anwalt Jean-François Canis. Doch ein finanzieller Schaden sei durch die Tat seines Mandanten nicht entstanden. Er habe sein Wissen nicht ausgenutzt, um Betrugsdelikte zu begehen. Tatsächlich hatten Twitter, die US-Regierung und andere Betroffene darauf verzichtet, in dem Verfahren als Nebenkläger aufzutreten.
Die vom FBI nach der Übernahme des Twitter-Kontos von Barack Obama alarmierten französischen Fahnder waren "Hacker-Croll" schnell auf die Schliche gekommen. Nach seiner spektakulären Festnahme im März zeigte sich jedoch schnell, dass Hacker Croll relativ harmlos ist. Er schrieb keine Spionage-Programme oder hebelte Schutzvorrichtungen durch ausgeklügelte Informatik-Tricks aus. C. sei "kein Hacker im eigentlichen Sinne", stellte die Staatsanwaltschaft fest. "Er ist in ein Haus eingedrungen, dessen Tür offenstand." Um die Twitter-Konten zu knacken, hatte der Mann ganz einfach im Internet private Informationen über Twitter-Mitarbeiter gesammelt und daraus auf ihre E-Mail-Passwörter geschlossen. Bei einem hatte er Erfolg und konnte sich auf dessen Seite einloggen. In den Mails des Mannes fand er dann Hinweise darauf, wie er sich als Administrator Zugang zu Twitter-Nutzerkonten verschaffen konnte.
Der Kurznachrichtendienst Twitter muss nun jedoch für einen besseren Schutz seiner Nutzer sorgen. Die US-amerikanische Verbraucherschutzbehörde FTC verdonnerte die Internetfirma am Donnerstag zu schärferen Sicherheitsmaßnahmen. "Wenn ein Unternehmen seinen Nutzern verspricht, dass ihre persönlichen Daten sicher sind, dann muss es dieses Versprechen auch einhalten", sagte FTC-Vertreter David Vladeck. Die Behörde bemängelte besonders die zu simplen Administrator-Passwörter. Dadurch sei es Hackern auch gelungen, Anfang 2009 die Kontrolle über die komplette Website zu übernehmen, stellte die FTC fest. Twitter hat bereits Abhilfe versprochen. Die Behörde kontrolliert die Umsetzung.
Quelle: dpa , AFP
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