Christian Fenselau
Wer Windows kaufen will, wird nicht erst seit Windows 7 vor die Frage gestellt: Soll es die Variante mit 32 oder die mit 64 Bit sein? Schon Windows XP war mit 64 Bit erhältlich, wurde aber kaum wahrgenommen, weil sie in den seltensten Fällen wirklich benötigt wurde. Das sieht mittlerweile anders aus: Viele Computer sind mit einem großen Arbeitsspeicher ausgestattet. Windows 7 mit 64 Bit könnte sich dadurch lohnen – unabhängig von der Vielfalt um Home Premium, Professional oder Ultimate. Was den Unterschied ausmacht, wer die 64 Bit wirklich benötigt und wie der Umstieg klappt, klären wir in diesem Artikel.

Mit 64 Bit knacken Sie die 3-GB-Grenze beim RAM. (Bild: PC-Magazin)
Immer häufiger werden Tower-PC zusammen mit einem 64-Bit-Windows angeboten. Der Grund: Diese Maschinen sind mit einem riesigen Arbeitsspeicher (RAM) ausgestattet. 6 oder 8 GB Arbeitsspeicher sind aber mit einem 32-Bit-Windows so sinnvoll wie Rallyestreifen oder eine Metallic-Lackierung auf dem Gehäuse. Es hat für das Arbeitstempo des Computers keine Bedeutung. Ein 32-Bit-Windows kann mit 4 GB Arbeitsspeicher oder mehr nichts anfangen. Anders herum geht es wohl: Ein 64-Bit-Windows lässt sich auch bei kleinerem Arbeitsspeicher einsetzen. Sinnvoll ist es allerdings nicht – es sei denn, Sie spielen mit dem Gedanken, den Arbeitsspeicher irgendwann zu erweitern.
32-Bit-Systeme können theoretisch bis zu 4 GB verwalten, also etwa vier Milliarden Speicherzellen. Das ergibt sich schlicht aus der Rechnung 2 hoch 32. Praktisch sind es nur etwa 3 GB, da ein Teil der 4 GB für andere Daten reserviert ist. Mit speziellen Einstellungen lässt sich die Grenze je nach Systemkonfiguration auf 3,5 GB heraufsetzen. Dann ist Schluss. Wer mehr Arbeitsspeicher benötigt, kommt um 64 Bit nicht herum. Ein 64-Bit-Betriebssystem kann ungleich mehr Speicherzellen adressieren, eben 2 hoch 64. Wer auf einem 32-Bit-System mehr als 4 GB Speicher installiert, muss aber nicht nervös werden. Fehlerhaft arbeitet Windows dann nicht. Speicherkapazität oberhalb der Grenze wird einfach nicht erkannt.
Microsoft selbst macht Druck: Ein Programm, dass unter einem 64-Bit-Windows nicht läuft, bekommt kein Windows-7-Kompatibilitätslogo. Die wohl wichtigste Frage ist aber, ob die älteren, gewohnten Programme auf einem 64-Bit-Windows laufen. Meistens lässt sich die Frage positiv beantworten. Office-Programme zu Textbearbeitung und Tabellenkalkulation laufen genauso, sie können weiter verwendet werden. Das gilt auch für die gängigen Internet-Programme, etwa für den Browser und E-Mail. Um diejenigen Programme, die mit Windows mitgeliefert werden, braucht man sich keine Sorgen zu machen, sie sind ohnehin angepasst.
Probleme können systemnahe Anwendungen bereiten. So wird man um ein neues Antiviren-Programm kaum herumkommen. Wer eine andere Firewall einsetzen möchte als die mit Windows 7 mitgelieferte, wird die vielleicht noch vorhandene alte 32-Bit-Firewall ersetzen müssen. Auch viele Tools zur Systemdiagnose müssen erneuert werden. Das größte Problem machen alte 16-Bit-Programme, die schon unter DOS liefen. Auf einigen Computern kommen derartige Anwendungen noch zum Einsatz.
Der PC muss natürlich mit einem 64-Bit-Betriebssystem kompatibel sein. Wer nicht gerade einen Uralt-PC betreibt, dürfte mit den integrierten Komponenten wie Hauptprozessor oder Grafikkarte wenig Probleme haben. Anders sieht es eventuell mit den angeschlossenen Geräten aus. Die Windows-Hardware-Erkennung leistet zwar gute Dienste, darauf blind vertrauen sollte man jedoch nicht. Am besten, der Hersteller stellt 64-Bit-Treiber zur Verfügung. Das ist nicht immer der Fall. Die meisten Probleme gibt es entweder mit Billig-Hardware von der Resterampe oder mit Herstellern, die gar keinen Support mehr liefern. Wenn zum Beispiel der Hersteller noch immer keine Vista-Treiber für ein spezielles Gerät anbietet, dürfte es um 64-Bit-Unterstützung auch schlecht bestellt sein.
Microsoft bietet Windows 7 in beiden Bit-Editionen an. Wer eine Vollversion mit Umverpackung erwirbt, kann sich auch noch später überlegen, ob er den Sprung auf 64 Bit wagt. Es befinden sich beide Editionen im Paket, von denen aber nur eine installiert werden darf. Wer sich es sich später anders überlegt, kann auch das tun. Eine erneute Aktivierung ist problemlos möglich, allerdings muss alles komplett neu installiert werden. Anders verhält es sich mit den beliebten und viel günstigeren SystemBuilder-Versionen. Hier wird nur eine Edition geliefert, der Kunde muss hier schon beim Kauf wissen, welche Edition er benutzen will.
Wer 4 GB Arbeitsspeicher oder mehr besitzt oder vorhat, einmal auf diese Größe aufzurüsten, sollte zu Windows 7 mit 64 Bit greifen. Voraussetzung ist die passende Hardware. Sie sollten überprüfen, ob für die angeschlossenen Geräte wie Drucker, WLAN-Modul oder TV-Stick vom Hersteller 64-Bit-Treiber angeboten werden. Sonst wäre eine Neuanschaffung fällig. Die RAM-Grenze überwinden lässt sich durch Tricks nicht. Wer nicht 64-Bit-fähige, unersetzbare Geräte betreibt, kann sich eine RAM-Aufrüstung sparen.
Christian Fenselau
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