26.02.2010, 08:42 Uhr | Andreas Lerg
Spam: Werbemüll im E-Mail-Postfach. (Quelle: Hersteller)
Erstmals hat ein Richter per einstweiliger Verfügung die Abschaltung eines weltweiten Netzwerkes gekaperter PC ("Botnetz") angeordnet. Das von Microsoft attackierte BotnetzWaledac zählt zu den größten seiner Art und versendet täglich etwa 1,5 Milliarden Spam-Mails. Auf Anordnung des Richters wurde die Kommunikation zwischen den Zombie-Computern des Botnetzes und der eigentlichen Infrastruktur gekappt.
Im Kampf gegen das Mega-Botnetz reichte Microsoft am Montag eine Klage gegen 27 Unbekannte ein. Daraufhin genehmigte der Richter am Bezirksgericht von Eastern Virginia in einer einstweiligen Verfügung, dass die von Microsoft ermittelten 277 Internetadressen, über die das Botnetz betrieben wurde, abschalten werden müssen. VeriSign nahm als Betreiber der Top-Level-Domain .com diese verdächtigen Internetadressen vorübergehend vom Netz. Tim Clanton, Justiziar bei Microsoft, erklärt gegenüber dem Online-Magazin TG Daily: "Diese rechtliche und branchenweite Aktion gegen Waledac ist die erste ihrer Art, aber es wird nicht die letzte sein."
Unter diesen jetzt abgeschalteten Domains betrieben Online-Kriminelle die Infrastruktur von Waledac. Hunderttausende Computer, die in einem Botnetz versklavt sind, müssen gesteuert und kontrolliert werden. Dazu nutzen die Cyber-Gangster so genannte Command & Control-Server. Diese senden Steuerungsbefehle an die Zombie-PC und empfangen umgekehrt von diesen gesendete Daten. Durch die Abschaltung der 277 Internet-Domains wurde diese Verbindung gekappt. Clanton kommentierte den Erfolg der Maßnahme: "Drei Tage nach dem Start der Aktion wurde der allergrößte Teil der Verbindungen der von Waledac infizierten Computer gekappt. Unser Ziel ist, dass diese Trennung dauerhaft ist."
Zu der Aktion von Microsoft gibt es durchaus aber auch kritische Stimmen. Amichai Shulman, Experte des Sicherheitsspezialisten Imperva erklärte gegenüber der BBC: "Das wird das Problem nicht beseitigen. Es ist nur eine kleine Atempause. Kurzfristig werden andere Gangs diese Lücke füllen, während sich die Personen hinter Waledac neu gruppieren und ihre Aktivitäten wieder von vorne starten." Das Wall Street Journal zitiert Jose Nazario von der Sicherheitsfirma Arbor Networks: "Das Botnetz überlebt so etwas in den meisten Fällen." Noch weiter geht Richard Cox vom Anti-Spam-Dienstleister Spamhaus und sagt: "Wenn diese Maßnahme den Spamversand überhaupt beeinflusst hat, so haben wir davon nichts bemerkt. Waledac war keine große Bedrohung und nur für 1 Prozent des weltweiten Spamaufkommens verantwortlich." Hier im Computer-Insider finden Sie umfangreiche Informationen dazu, wie Sie ihren Computer sicher gegen Hacker abschotten.
Andreas Lerg
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