26.03.2010, 09:11 Uhr | Sascha Plischke mit Material von ap
Albert Gonzales wurde wegen Datendiebstahl zu 20 Jahren Haft verurteilt. (Foto: dpa)
Für einen der bisher größten Fällen von Datenklau und Kreditkartenmanipulationen der US-Geschichte muss ein 28-jähriger Hacker aus Miami 20 Jahre ins Gefängnis. Es war wohl einer der spektakulärsten Online-Raubzüge aller Zeiten: Mit Einbrüchen bei großen Abrechnungsdienstleistern hatte Albert Gonzalez insgesamt 130 Millionen Kreditkartendaten gestohlen und damit viele Millionen Dollar Schaden verursacht. Auch weitere Computer-Einbrüche gehen auf sein Konto. Dabei sollte der Mann eigentlich für den amerikanischen Secret Service Jagd auf andere Hacker machen.
Richterin Patti Saris verkündete das Strafmaß für Albert Gonzalez am Donnerstag in Boston nach einer Absprache zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Möglich war nach deren Vereinbarung eine Haftstrafe zwischen 15 und 25 Jahren. Gonzalez, der mit einem internationalen Hacker-Ring bei Firmen, Banken und Versicherungen Schäden von fast 200 Millionen Dollar verursacht hat, entschuldigte sich. Er habe das Leben von Millionen Menschen beeinträchtigt.
Gier sei jedoch nicht sein Antrieb gewesen, sagte Gonzalez weiter in seinem Schlusswort. Vielmehr sei die Sache durch seine Unfähigkeit, die Datenjagd zu stoppen und seine Internet-Sucht außer Kontrolle geraten. "Ich mache niemandem außer mir selbst Vorwürfe", beteuerte er. Gonzalez hatte sich vor dem Bezirksgericht in Boston in 19 Fällen der Verschwörung, Computerverbrechen und des schweren Datendiebstahls schuldig bekannt. Wäre er ohne Schuldeingeständnis in allen Anklagepunkten verurteilt worden, hätte sich eine Strafe von mehreren hundert Jahren Haft angesammelt.
Gonzalez, der Online unter dem Hacker-Namen "soupnazi" in Untergrund-Foren bekannt war, war bereits 2003 wegen Datendiebstahls im Internet aufgefallen. Weil der US-Geheimdienst den genialen Autodidakten aber für die Jagd auf andere Hacker gewinnen konnte, entging Gonzalez damals einer Anklage. Den Ermittlern zufolge brach er in den folgenden fünf Jahren aber dennoch in die Computersysteme der großer Unternehmen ein – obwohl er zugleich für den Secret Service arbeitete. Seine Opfer suchte sich der Hacker nach der der "Fortune 500"-Liste aus. Dieses Verzeichnis enthält die 500 umsatzstärksten Unternehmen in den USA.
In dieser Zeit habe sich Gonzalez "geradezu wie ein Doppelagent" verhalten, so Richterin Saris. Zusammen mit professionellen Hackern in drei US-Staaten, der Ukraine und Russland machte Gonzalez mit dem Ausspionieren von Kreditkartennummern im Internet und deren Verkauf auf den Schwarzmarkt Kasse. Zum Teil gingen die Hacker auch selbst an Geldautomaten und hoben mit fremden Kartendaten erhebliche Beträge ab. Allein Gonzalez wurden 2,8 Millionen Dollar nachgewiesen, die er für eine Wohnung in Miami, ein Auto, eine Rolex-Uhr und einen teuren Ring für seine Freundin ausgab. Eine Million Dollar in bar hatte Gonzalez zudem im Garten seines Elternhauses vergraben.
Mit dieser Bande gelang Gonzalez auch der größte Coup seiner kriminellen Laufbahn. Der 28-Jährige knackte die Sicherheitssysteme von Abrechnungsdienstleistern, darunter das US-Unternehmen Heartland, das täglich Millionen Transaktionen für die größten Kreditkartenkonzerne der USA abwickelt. Dort stahlen Gonzalez und seine Komplizen stahlen laut Schätzung der Staatsanwaltschaft mehrere Millionen Geld- und Kreditkartendaten. Unternehmen und Banken mussten deswegen Millionenbeträge für die Löschung und Neueinrichtung von Konten ausgeben, die Sicherheit ihrer Netzwerke ausbauen und in den Kundendienst investieren.
Die Vorgehensweise der Hacker laut Staatsanwaltschaft: Sie fuhren auf die Parkplätze beispielsweise von Kaufhäusern und drangen mit ihren Laptop-Computern in deren drahtlose Netzwerke ein. Mit speziellen Spionageprogrammen saugten sie Geld- und Kreditkartendaten aus den Systemen, die sie dann über das Internet unter anderem an osteuropäische Banden weiter verkauften.
Sascha Plischke mit Material von ap
Ralf Buron schrieb:
am 31. März 2010 um 10:29:36
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"Kreditkarten-Hacker zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt"
Die gleichen Maßstäbe müßte man strenggenommen für Banker und korrupte Politiker anlegen, die ähnliche Millionenschäden verursachen.
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kuli- schrieb:
am 27. März 2010 um 10:41:41
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Verhältniss
Bei insgesammt 200 Millionen Schaden entspricht dies für 10 Millionen gerade mal ein Jahr. Da ist er doch gut weggekommen.
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siggi schrieb:
am 26. März 2010 um 18:14:54
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???
Warum werden in Europa nicht auch solche Strafen verhängt? Wer anderen Schaden zufügt muss harte Strafen hinnehmen. Auch bei Betrug
sind Existenzen bedroht, und deshalb bin ich mit dem Urteil einverstanden.
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