18.08.2009, 09:19 Uhr | Andreas Lerg mit Material der dpa
Hacker erbeuteten über 130 Millionen Kreditkartendaten. (Quelle: ddp)Ein 28-jähriger aus Florida hat über 130 Millionen Kreditkartendaten gestohlen und damit den größten Fall von Datendiebstahl in der Geschichte der USA verursacht. Er und zwei russische Komplizen brachen 2006 in das Computersystem einer Firma für Zahlungsabwicklungen in New Jersey ein. Diese bemerkte den Datendiebstahl lange Zeit nicht, sodass der Beutezug diese gigantischen Ausmaße annahm. Nun wurde gegen den Hacker Anklage erhoben.
Der 28-jährige Hacker Albert Gonzalez aus Florida und zwei Komplizen aus Russland verschafften sich seit Oktober 2006 Zugang zum Computersystem der Firma Heartland, einem Unternehmen für Zahlungsabwicklungen in New Jersey. Diese wickelt für Supermarktketten wie etwa 7-Eleven und andere unzählige Einzelhändler die Kreditkartenzahlungen ab. Bei ihren virtuellen Raubzügen nutzten die Hacker Sicherheitslücken in der Programmierung von SQL-Datenbanken aus, die sogenannte SQL-Injection. Ihre Angriffe tarnten sie zudem mit ausgefeilten Techniken, damit sie nicht von Anti-Viren-Software und ähnlichen Schutzmechanismen entdeckt werden. Die ausgespähten Daten wurden dann an eigene Server in den US-Bundesstaaten Kalifornien und Illinois sowie in Lettland, den Niederlanden und der Ukraine übermittelt. Die 130 Millionen Datensätze entsprechen rund 10% aller in den USA ausgegebenen Kreditkarten.
Wie die New York Times berichtete, suchten sich die Hacker ihre Opfer anhand der "Fortune 500"-Liste aus. Dieses Verzeichnis enthält die 500 umsatzstärksten Unternehmen in den USA. Firmen, die große Umsätze vor allem in Einzelhandel generieren, verursachen damit auch sehr viele Kreditkartenzahlungen, bei denen sich dann die Daten abfangen lassen. Der 28-Jährige ist der Polizei bereits einschlägig bekannt. Im Mai vergangenen Jahres war er nach Angaben des Justizministeriums wegen Datendiebstahls bei einer Restaurant-Kette verhaftet worden. Dieser Fall wird voraussichtlich ab September vor einem New Yorker Gericht verhandelt. Zudem ist gegen ihn ein weiteres Verfahren in Massachusetts anhängig. Brisant ist, dass er laut der New York Times nach einer ersten Festnahme 2003 zwischenzeitlich auch als Informant für US-Bundesbehörden arbeitete, unter anderem für den Secret Service, und dort aktiv an der Verfolgung krimineller Hacker beteiligt war.
Sollte der Hacker verurteilt werden, drohen ihm laut Aussage des Justizministeriums in Washington wegen Verschwörung zum Datenbetrug bis zu 25 Jahre Haft sowie Geldstrafen in Höhe von insgesamt bis zu 500.000 Dollar. Der Datendiebstahl bei Heartland flog erst dadurch auf, dass die großen Kreditkartenunternehmen Mastercard und Visa Unstimmigkeiten im Datenverkehr entdeckten. Erst dieser Hinweis der beiden größten Kunden führte zu einer Untersuchung durch "verschiedene forensische Ermittler", die dem Diebstahl schließlich auf die Spur kamen.
Hackern geht es bei einem Datendiebstahl nicht darum, zu zeigen, was sie können. Es geht um Profit. Kreditkartendaten sind auf dem Schwarzmarkt sprichwörtlich Gold wert. Für 1000 gestohlene Datensätze kann ein Hacker bis zu 60 Dollar erzielen. Die Käufer erwerben diese Daten für weiteren Missbrauch. Erst am Ende dieser Datenhandelskette stehen Kriminelle, die mit den Informationen Geld von den Konten ihrer Opfer abbuchen oder die Kreditkarten für eigene Bezahlvorgänge einsetzen. So lässt sich der potenzielle Schaden von 130 Millionen gestohlenen Datensätzen nicht nur durch den Schwarzmarktpreis von fast acht Millionen Dollar beziffern, sondern auch durch mögliche Folgeschäden der Geprellten.
Andreas Lerg mit Material der dpa
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