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Kampf gegen Kinderpornografie: US-Heimatschutz sperrt versehentlich 84.000 Internetseiten

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US-Behörden sperren versehentlich 84.000 Internetseiten

18.02.2011, 09:02 Uhr | Sascha Plischke

US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano: Behörde sperrt versehentlich 84.000 Internet-Seiten. (Quelle: dpa)

In den USA haben Ermittlungsbehörden aus Versehen 84.000 Internetseiten abgeschaltet. Eigentlich wollten die Fahnder Seiten den Garaus machen, die Kinderpornografie verbreitet haben sollen. Weil die zuständigen Beamten jedoch nicht nur die individuellen Seiten sperren ließen, sondern gleich ein komplettes übergeordnetes Adressregister, waren auch tausende unverdächtige Seiten plötzlich nicht erreichbar. Damit jedoch nicht genug: Statt der harmlosen Internetauftritte sahen die Besucher nur noch eine Mitteilung der Behörden – die auch eine Verwicklung der unbelasteten Seiten in den Kinderporno-Skandal andeutete.

Das Malheur geschah am vergangenen Freitag, als Zollfahnder der US-Behörde Immigrations and Customs Enforcement, kurz ICE, die Domain mooo.com beschlagnahmten. Die Domain fungierte als eine Art Adressregister, basierend auf dem Service Free DNS. Vereinfacht gesagt ist die Seite ein Adressbuch für Browser. Wird eine dort verzeichnete URL eingegeben, sucht die Seite die dazugehörige IP-Adresse heraus und vermittelt den Browser weiter. So kann der Browser die Seite überhaupt erst finden. Mehr als 84.000 Internetseiten sind bei mooo.com eingetragen – und nur eine kleine Zahl davon war in Verdacht geraten.

Unverdächtige Internetseiten in die Nähe von Kinderpornografen gerückt

Mit der Beschlagnahmung und der folgenden Abschaltung von mooo.com waren jedoch alle diese Seiten nicht mehr erreichbar. Stattdessen sahen Besucher nur noch eine Mitteilung des US-Heimatschutzministeriums, zu dem die ICE gehört. Das Banner erklärte die Sperrung und wies darauf hin, dass "Bewerbung, Verbreitung, Übermittlung, der Empfang oder der Besitz von Kinderpornografie" einen Verstoß gegen Bundesgesetze darstellten und 30 Jahre Gefängnis oder eine hohe Geldstrafe nach sich zögen. Für den unbedachten Nutzer rückten so auch die unverfänglichen Internetseiten in die Nähe der Kinderpornografen.

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Betroffene Seitenbetreiber gehen auf die Barrikaden

72 Stunden dauerte die Komplettsperrung, ohne dass die Besitzer der Internetseiten die Gelegenheit gehabt hätten, eine gerichtliche Stellungnahme abzugeben oder sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen. Entsprechend heftig waren die Reaktionen der betroffenen Seitenbetreiber, viele von ihnen kleine Geschäftsleute. "Mit allem Respekt, Mr. Morton: Fuck off!", machte einer der Betreiber seinem Ärger Luft und adressierte dabei direkt den Direktor der ICE, John Morton. "Eine ganze Domain abzuschalten und dabei unschuldige Leute mit reinzuziehen, alles mit dem Anschein nach ohne dem üblichen Gerichtsweg zu folgen und den Eindruck vermittelnd, dass Ihnen das scheißegal ist, ist einfach falsch. Nicht so falsch wie Kinderpornographie oder Raubkopien, aber immer noch falsch."

Bürgerrechtler kritisieren Aktion scharf

Auch mehrere Bürgerrechtsorganisationen bewerteten die Aktion als zumindest bedenklich. "Man schaltet nicht einfach Meinungsäußerungen ab, wenn man nicht wenigstens irgendeine Form von Begründung dafür hat", sagte Corynne McSherry von der Electronic Frontier Foundation (EFF) dem Online-Magazin The Register. "Deshalb haben immer wieder die Gerichte geurteilt, dass bei der Abschaltung einer Website oder der Sperrung von Meinungsäußerungen egal wo ein ganz spezifischer Grund vorliegen muss."

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Heimatschutzministerium rechtfertigt die Aktion

Die Aktion der ICE ist Teil der größeren "Operation Schützt unsere Kinder", an der auch das US-Justizministerium beteiligt ist. "Jedes Jahr fallen viel zu viele Kinder Triebtätern zum Opfer", begründete Heimatschutzministerin Janet Napolitano die Aktion in einer Mitteilung. "Allzu oft werden diese niederträchtigen Taten auf Fotos und Videos festgehalten und im Internet veröffentlicht." Das Heimatschutzministerium werde deshalb in Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden alles dafür tun, diese Seiten aufzuspüren und zu sperren. Im Verlauf der aktuellen Aktion war es den Ermittlern gelungen, zehn Seiten mit kinderpornografischen Inhalten stillzulegen.


Sascha Plischke  

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Kommentare (46)

zum Forum

Thema: "Kampf gegen Kinderpornografie: US-Heimatschutz sperrt versehentlich 84.000 Internetseiten"

Heinz schrieb: am 18. Februar 2011 um 18:23:07
(0) (0) Verhältnis
Es ist aus meiner Sicht sehr wohl verhältnismäßig 80000 Leute zu sperren um 10 Leute die wieder weiter vernetzt sind, daran zu
hindern Kinder für Pornos zu missbrauchen. Es müsste nur eines eurer Kinder sein, welches dadurch geschützt wird. Und dann ? Erst denken, dann schreiben. Die Opfer sind die Kinder. Um die zu schätzen ist doch jedes Mittel recht. Meine Seite können sie gerne 72 Stunden abschalten, wenn damit auch nur 1 Kind geschützt wird. Das ist gesunder, vertretbarer Umsatzverlust.
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Nur mal so schrieb: am 18. Februar 2011 um 17:50:35
(0) (0) m@TINI
Sie machen es sich zu einfach. Sie müssen das von anderer Seite sehen. Ein Unternehmen (ob klein oder gross) hat eine Homepage im
Net. Vielleicht sogar eine auf der Bestellungen eingegeben werden können. Wir haben in Deutschland einige Versender, die auf diesem Weg verkaufen. Und dann steht ein Vermerk der Polizei mit Hinweis zu Kinderporno o.ä. auf diesem Zugriff. Würden Sie dort noch einkaufen ? Sie vielleicht danach noch; Andere nicht mehr. Der wirtschaftliche Schaden wäre imens.
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Q12T schrieb: am 18. Februar 2011 um 17:35:14
(0) (0) Vorbilder
Die Amis sind für viele die großen Vorbilder. Der Zweck heiligt die Mittel. Wie wäre eine ordentliche Starfverfolgung mit
abschreckenden Strafen? Erst handeln dann denken. Sippenhaft! 83990 Unschuldige zu 10 Straftätern!
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