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Internet: Web-Gigant Google plant das Zwei-Klassen-Netz

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Web-Gigant plant das Zwei-Klassen-Netz

16.12.2008, 09:20 Uhr | Sascha Plischke

Baut Google die "Überholspur" im Internet? (Quelle: t-online.de) Baut Google die "Überholspur" im Internet? (Quelle: t-online.de)Plant der Web-Gigant Google ein Zwei-Klassen-Netz? Einem Bericht des Wall Street Journal will sich der Konzern das Recht vorbehalten, sich gegen einen speziellen Obolus besonders breite Datenleitungen bei den Internetanbietern zu sichern. Kleinere Konkurrenten oder kostenlose Dienste wie Wikipedia wären dagegen langsamer zu erreichen. So könnte Google das Internet dominieren – finanzschwache Anbieter würden verschwinden.

Was halten Sie von dem Google-Vorhaben? Wären die schnelleren Dienste ein Segen oder eine Benachteiligung der Konkurrenten? Sagen Sie uns Ihre Meinung mit unserer Kommentar-Funktion am Ende des Artikels.

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Bisher verhinderte einen solchen Schritt das Prinzip der so genannten Netz-Neutralität. Darauf hatten sich alle großen Konzerne, Netzanbieter und Regierungen verständigt. Es besagt, dass kein Internet-Verkehr dem anderen vorzuziehen ist. So sollte die Chancengleichheit zwischen finanzstarken Großunternehmen und kleinen, freien Diensten gewahrt bleiben. Genau dieses Prinzip wollen Google, Yahoo und Microsoft nun jedoch offenbar aushebeln – und sich so einen unschätzbaren Vorteil verschaffen.

Google plant Überholspur im Netz

Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf vertrauliche Dokumente aus den Führungskreisen. Darin heißt es, Google habe "großen Kabel- und Telefonanbietern" vorgeschlagen, "eine Überholspur für seine eigenen Inhalte zu schaffen." Im Klartext: Gegen Geld sollen die datenintensiven Inhalte des Web-Riesen bevorzugt durch die Leitungen der Internet-Anbieter geschleust werden. Vorfahrt für Google, alle anderen müssen warten. Im schlimmsten Fall könnten Angebote wie die Wikipedia zu besonders verkehrsintensiven Zeiten nur noch schwer erreichbar sein.

Suchmaschinen-Riese dementiert

Google dementierte den Bericht umgehend. Richard Witt, oberster Sprecher des Unternehmens, bezeichnete den Artikel des Wall Street Journal in einem Blogeintrag als "verwirrt" und "übertrieben". Das Google-Angebot an die Internetanbieter verletze nicht die Netz-Neutralität. Man habe den Unternehmen lediglich angeboten, auf Google-Kosten Hardware für das so genannte "Co-Locating" und "Caching" zu installieren. Diese bessere Hardware solle dann Googles Datenverkehr schneller zum Kunden bringen können.

Geparkte Inhalte rund um den Globus

Tatsächlich sind "Co-Locating" und "Caching" bereits jetzt übliche Methoden der Verkehrsregelung im Netz. Dabei bieten die Netz-Provider großen Kunden an, deren Inhalte auf eigenen Servern als Kopie abzuspeichern. Diese beliebten Seiten liegen dann statt auf der anderen Seite der Welt geografisch näher beim Endnutzer und können so schneller ausgeliefert werden. Google möchte nun nicht mehr nur einen Teil dieser begrenzten Kapazitäten mieten, sondern in großem Stil eigene Server bei den Providern aufstellen. Dies würde die Netz-Neutralität nicht verletzen: Googles Daten würden nicht bevorzugt behandelt, sondern nur näher beim Kunden liegen. Für alle anderen Web-Angebote bliebe alles beim Alten.

Reiche kaufen sich Zwei-Klassen-Netz

Trotzdem bedeutet diese Überholspur eine Art Zwei-Klassen-Netz. Denn durch die eigenen "Caching"-Server könnte Google die Geschwindigkeit seiner Dienste durchaus verbessern. Kleine Unternehmen, die dem Web-Giganten in einem seiner weit verzweigten Geschäftsfelder mit innovativen Ideen Konkurrenz machen, bleiben auf den langsameren Transport ihrer Daten rund um den Globus angewiesen – und wären damit viel langsamer als Google. Ob also Google mit der Offerte das Prinzip der Netz-Neutralität verletzt ist eine akademische Frage – einen unschätzbaren Vorteil hätte das Unternehmen aber in jedem Fall. Wenn Googles Beispiel Schule macht, kaufen sich alle großen Unternehmen ähnliche Kapazitäten mit allen dazu gehörenden Vorteilen: Die großen Reichen bieten schnelle Dienste an, die kleinen Finanzschwachen müssen mit der Standard-Leitung vorlieb nehmen.

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Sascha Plischke  

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