13.05.2009, 11:51 Uhr | Sascha Plischke mit Material von AFP, dpa
Milliardenstrafe für Intel wegen Machtmissbrauch.Der Chiphersteller Intel muss wegen Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung eine Rekordstrafe in Höhe von 1,06 Milliarden Euro zahlen. Das US-Unternehmen habe jahrelang Rabatte für Computerproduzenten daran geknüpft, dass diese keine oder nahezu keine Bauteile von der Konkurrenz bezögen, erklärte die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel. Auch durch weitere illegale Praktiken habe Intel die Wahl der Verbraucher eingeschränkt.
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Intelsoll den Angaben zufolge etwa der Media Saturn Holding Geld gezahlt haben, damit diese nur Computer mit Hauptprozessoren von Intel anbietet. Dem Unternehmen gehören mit den Handelsketten Saturn und Media Markt zwei der größten Elektronikfachhändler in der EU. Durch den Deal hatten Millionen Kunden in Deutschland und anderen europäischen Ländern erschwerten Zugang zu Produkten mit Prozessoren von Intel-Hauptkonkurrent Advanced Micro Devices (AMD).
Zudem habe der Chiphersteller Zahlungen an Computerbauer geleistet, damit diese Geräte mit Bauteilen von AMD verspätet oder gar nicht auf den Markt bringen. Betroffen von der Kommissionsentscheidung sind demnach die Hersteller Acer, Dell, HP, Lenovo und NEC. Der Großteil der Verstöße sollen zwischen 2000 und 2005 stattgefunden haben. AMD-Europachef Giuliano Meroni äußerte sich zufrieden: "Die EU-Entscheidung wird die Kräfte von einem missbräuchlich handelnden Monopolisten zu Computer-Herstellern, Händlern und vor allem PC-Nutzern verschieben", sagte er laut einer Mitteilung.
Mit diesen Verstößen begründen die europäischen Wettbewerbshüter die Rekordstrafe. "Intel hat Millionen Konsumenten geschädigt, indem das Unternehmen absichtlich Konkurrenten von dem Markt für Computerchips für viele Jahre ferngehalten hat", so EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. "Eine solch ernste und fortgesetzte Verletzung der EU-Wettbewerbsregeln kann nicht hingenommen werden."
Dabei hätte das Bußgeld sogar noch deutlich höher ausfallen können: Bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes pro Jahr der Verstöße dürfen die Wettbewerbshüter im Höchstfall verhängen. 2007 hatte Intel weltweit 24,4 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Dass die EU bei Kartellverstößen keinen Spaß versteht, zeigt der Fall Microsoft. Gegen das Software-Unternehmen hatte die Kommission 2008 das bisherige Rekordbußgeld von 899 Millionen Euro verhängt.
Mit der Rekordstrafe will sich Intel nicht abfinden und kündigte Berufung gegen das Urteil an. Laut Intel-Chef Paul Otellini habe es absolut keinen Schaden für den Verbraucher gegeben und die Entscheidung ignoriere die Realität eines scharfen Wettbewerbs auf dem Chipmarkt. "Wir glauben nicht, dass unsere Praktiken europäisches Recht verletzt haben", sagte Otellini. Es sei das "natürliche Ergebnis" eines Marktes mit nur zwei wesentlichen Lieferanten, dass bei einem Auftragserfolg des einen Unternehmens das andere verliere. Die EU-Wettbewerbshüter hätten wesentliche Beweise ignoriert, die im Widerspruch zu ihren Behauptungen stünden. "Intel verkauft niemals Produkte unter den Kosten", so Otellini. Intel werde trotz der Einwände mit der EU-Kommission zusammenarbeiten, kündigte der Konzernchef an.
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