01.02.2010, 10:55 Uhr | Andreas Lerg
Schwerverbrecher Colin Gunn und 30 weitere Kriminelle wurden von Facebook ausgesperrt. (Quelle: t-online.de)
Großbritannien macht es den schweren Jungs im Knast anscheinend leicht, weiter im Geschäft zu bleiben. Der zu 35 Jahren Haft verurteilte Schwerverbrecher Colin Gunn hat aus dem Gefängnis in Worcestershire heraus problemlos per Facebook allerlei Drohungen an Widersacher verschickt und vermutlich auch Drogengeschäfte organisiert. Die Gefängnisleitung gestattete ihm laut seiner Aussage ohne Weiteres, Facebook zu nutzen.
Colin Gunn sitzt eine Strafe von 35 Jahren wegen mehrerer Verbrechen ab, darunter ein von ihm beauftragter Mord an zwei Senioren. Von Sicherheitsverwahrung aber keine Spur: Der Gangster-Boss durfte im Gefängnis ungehindert das Internet nutzen und drohte auf Facebook seinen Gegnern. "Eines Tages werde ich zuhause sein und kann es gar nicht erwarten, in die Augen mancher Menschen zu blicken und darin ihre Angst zu sehen, wenn ich vor ihnen stehe", stand der britischen Sunday Times zufolge in einem Beitrag auf seinem Facebook-Konto.
Gunn drohte sicher nicht zum Spaß, denn bis er inhaftiert wurde, war er der Boss der Unterwelt in Nottingham und leitete das Bestwood-Kartell. Ihm und seiner Gang verdankt Nottingham - berühmt geworden durch die Legende von Robin Hood - heute eine Stadt zu sein, die für Verbrechen, Gewalt und Drogen berüchtigt ist.
Neben Drohungen und Hohn für seine Opfer nutzte Gunn Facebook wohl auch für andere Zwecke. Er hielt Kontakt zu Getreuen, hatte 560 Facebook-Freunden gesammelt, viele davon wohl Gangmitglieder. "Es ist gut, ein Mittel zu haben, um euch wissen zu lassen, wie es mir geht", bloggte Gunn aus dem Gefängnis.
Die britische Justiz geht davon aus, dass er über das soziale Netzwerk auch Drogengeschäfte und andere Aktivitäten steuerte. Aus diesem Grund wurde das Facebook-Profil von Gunn mittlerweile gelöscht. Auch wurde dem Verbrecher untersagt, das Internet zu nutzen. Das Justizministerium bestreitet allerdings, dass Gunn und andere Inhaftierte soziale Netzwerke wie Facebook nutzen dürfen. Das Internet dürfe nur für Bildungszwecke verwendet werden.
Doch dieser Fall ist nicht der erste, indem ein Verbrecher die britische Justiz mittels Facebook düpierte. Nach einem Gefängnisausbruch verspottete Craig "Lazie" Lynch die Polizei monatelang auf Facebook, landete schlussendlich aber doch wieder hinter Gittern.
Andreas Lerg
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