11.02.2010, 09:46 Uhr | t-online.de mit Material von dpa
Google-Logo (Foto: dpa). (Quelle: dpa)
Google beschleunigt das Internet. Über superschnelle Verbindungen sollen Nutzer demnächst 3D-Videos und andere Anwendungen, "die sie sich heute nicht einmal vorstellen können", in die eigenen vier Wände bekommen. Wie der Internet-Konzern am Mittwoch in einem firmeneigenen Weblog ankündigte, soll ein erster Test mit 50.000 bis 500.000 Menschen schon bald beginnen.
Google will über das Netz Geschwindigkeiten von 1000 Megabit pro Sekunde erreichen. Für die USA darf die Ankündigung als Sensation gelten. Dort erreichen die meisten Internetanschlüsse aufgrund des vielerorts veralteten Telefonnetzes deutlich geringere Geschwindigkeiten als etwa in Europa. Doch auch hierzulande wäre die von Google angekündigte Geschwindigkeit gigantisch. Zum Vergleich: In Deutschland erreicht die Deutsche Telekom mit ihrem modernen VDSL-Netz derzeit 50 Megabit. Das ermöglicht etwa die Übertragung von hochauflösendem Fernsehen.
Mit dem Test will Google herausfinden, was Nutzer und Entwickler mit dem superschnellen Internet anstellen und wie solch ein Netz aufgebaut werden muss, damit es problemlos funktioniert. "Das Ziel dieses Projekts ist es, zu experimentieren und zu lernen", schrieben die beiden Produktmanager Minnie Ingersoll und James Kelly im Firmen- Blog. Eine weitere Frage dürfte jedoch auch die Wirtschaftlichkeit sein. Für Googles Super-Geschwindigkeit muss ein komplett neues Leitungsnetz installiert werden, das Hochgeschwindigkeitsleitungen bis in die Häuser der Anschlussinhaber beinhaltet. Das ist entweder für Hausbesitzer oder den Konzern kostenintensiv.
Über die genauen Preise der Anschlüsse schweigt sich Google aus, der Preis soll aber "konkurrenzfähig" sein. Das Netz soll auch externen Anbietern zur Verfügung stehen. Das heißt, das auch andere Internet Service Provider sollen Anschlüsse über das von Google verlegte Netz anbieten können. Mit dem Projekt will Google der amerikanischen Netzaufsicht FCC (Federal Communications Commission) einen Denkanstoß geben für den Plan der Behörde, jedem US-Bürger Zugang zu einem Hochgeschwindigkeitsanschluss zu ermöglichen.
Bei Googles Plänen handelt es sich zunächst um ein Experiment. Der Konzern will damit das Internet modernisieren und Anwendungen ermöglichen, die bisher nicht vorstellbar waren. Das ist sinnvoll für einen Konzern, der sein Geld damit verdient, einer wachsenden Zahl von Nutzern kostenlose Services anzubieten und dazu Werbung zu schalten. Es ist jedoch zweifelhaft, ob die gleichzeitige Kontrolle eines Konzerns über grundsätzliche Anwendungen wie E-Mail und Internet-Suche auf der einen Seite und die Leitungen und Anschlüsse, über die Menschen Zugriff auf diese Dienstleistungen haben, tatsächlich im Sinne des Verbrauchers liegt.
t-online.de mit Material von dpa
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