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Google Street View: Tausende Bürger erheben Einspruch

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Tausendfacher Widerspruch gegen Google Street View

22.04.2010, 08:59 Uhr | t-online.de mit Material von dpa, AFP

Die Kamera eines Fahrzeugs des Google-Projekts Street View, aufgenommen am 03.03.2010 auf dem Messegelände in Hannover auf dem CeBIT Stand von Google (Foto: dpa).

Die Kamera eines Fahrzeugs des Google-Projekts Street View, aufgenommen am 03.03.2010 auf dem Messegelände in Hannover auf dem CeBIT Stand von Google (Foto: dpa). (Quelle: dpa)

Der Internetkonzern Google hat bislang knapp 10.000 Widersprüche gegen seinen umstrittenen Straßenansichts-Dienst Street View in Deutschland erhalten. Der Konzern hält die Zahl für gering genug, um als Beweis für die wachsende Akzeptanz der Bürger für Street View zu dienen. Datenschützer halten den Google-Dienst jedoch nach wie vor für bedenklich – und die Zahl der Einsprüche könnte noch weiter steigen. Denn es ist noch unklar, wie viele Widersprüche noch in den Sammelordnern bei Behörden und Datenschutzbeauftragten schlummern.

"Momentan kann ich Ihnen nur von einer vierstelligen Zahl von Widersprüchen berichten", sagte Google-Sprecherin Lena Wagner dem Blog "Carta". Google erhalte aber "selbstverständlich auch weiterhin Widersprüche", so dass die Zahl in der nächsten Zeit weiter steigen könne. Zudem ist noch unklar, wieviele schriftliche Widersprüche noch bei Behörden und Datenschützern gesammelt werden. So hatten zahlreiche kommunale Behörden angekündigt, Mustereinsprüche auszulegen und diese dann gesammelt an Google weiter zu geben. So sollen alleine in Bielefeld nach Informationen der Neuen Westfälischen Zeitungen schon 1500 Widersprüche auf diese Weise zusammengekommen sein.

Zahlen schwer zu interpretieren

Angesichts von knapp 40 Millionen Privathaushalten in Deutschland klingen auch knapp 10.000 Widersprüche noch nach wenig. Jedoch gibt es keine Vergleichswerte die eine tatsächliche Bewertung der Zahlen als Zeichen für einen entspannteren Umgang der Bürger mit Google Street View erscheinen ließen. Genauso wenig lässt sich allerdings sagen, ob die Zahlen schon einen Proteststurm darstellen. Sicher ist, dass Bürger dem Google Dienst mit großer Skepsis begegnen: die Reaktionen reichen von stiller Ablehnung bis zu offener Opposition. So hatte vor kurzem erst ein Rentner in Österreich einen Kamerawagen des Internetkonzerns mit der Spitzhacke in der Hand vertrieben.

Politik kritisiert Google-Dienst

Google nimmt für Street View aus Kamera-Autos Panorama-Bilder aus 2,90 Metern Höhe auf, um sie im Zusammenspiel mit seinem Kartendienst "Google Maps" online zu zeigen. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hatte Street View als "millionenfache Verletzung der Privatsphäre" kritisiert. Auf der Internetseite des Verbraucherschutzministeriums steht ein Formular bereit, mit dem Mieter und Hauseigentümer gegen die Aufnahmen von Google protestieren können. Google argumentiert, die Rahmenbedingungen für die Street-View-Aufnahmen seien mit den Datenschützern in Deutschland abgesprochen. So würden beispielsweise Gesichter und Autokennzeichen automatisch unkenntlich gemacht.

Deutschland schon beinahe komplett abgelichtet

Seit Anfang 2008 sind die Autos mit dem Kameramast auf dem Dach in Deutschland unterwegs, beinahe alle öffentlichen Straßen sind für Google Street View abgelichtet worden. Einige kleine weiße Flecken auf der Karte will Google noch schließen, aber im Prinzip wäre der Suchmaschinenkonzern startklar. Laut Produktmanager Raphael Leiteritz verzögert sich der offizielle Start jedoch durch datenschutzrechtliche Zugeständnisse. Ein Automatismus sorgt zwar dafür, dass Gesichter und Kfz-Kennzeichen unkenntlich gemacht werden, bevor die Bilder öffentlich gezeigt werden. Doch die Bedenken hierzulande sind dennoch immens. Google gibt an, in Deutschland beim Datenschutz so viele Kompromisse einzugehen wie in keinem anderen Land.

Einspruch noch vor Veröffentlichung

So ermöglicht Google, dass Bürger bereits Einspruch einlegen dürfen, noch bevor die Bilder veröffentlicht werden. Einspruch kann nicht nur gegen Bilder von Personen erhoben werden. Auf Wunsch werden auch Häuser unkenntlich gemacht oder sogar vollständig geschwärzt, wenn der Besitzer dies verlangt. Um die Datenschützer zufrieden zu stellen, will Google die Rohdaten der Aufnahmen für Deutschland nach der Bearbeitung löschen. Mehrere tausend Personen haben laut Google bereits Einsprüche erhoben. All diese Faktoren führen dazu, dass Google Street View in Deutschland vermutlich erst Ende des Jahres startet.

Gesetzliche Grenzen für Google Street View gefordert

Google Street View ist für viele deutsche Politiker ein rotes Tuch. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) forderte engere gesetzliche Grenzen für das Abfotografieren von Straßen und Häusern. Dafür liefen Gespräche mit dem Justizministerium. "Konkret erwarte ich von Google, dass die Zusage eingehalten wird, sämtliche Widersprüche zu berücksichtigen, und zwar bevor der Dienst im Netz veröffentlicht wird." Zudem forderte Aigner, die maximale Aufnahmehöhe auf 1,80 Meter zu begrenzen. Derzeit ist die Kamera, die Google durch die Straßen fahren lässt, auf 2,50 Meter montiert. Damit ragt sie beispielsweise über Gartenzäune oder Mauern.

Google Street View mit Google Earth und Google Maps nutzen

Bei Google Street View handelt es sich im Übrigen nicht um ein eigenständiges Internetangebot. Die Straßenfotos sind in der kostenlosen Software und dem Web-Dienst Google Maps eingebunden. Microsoft konterte in der Zwischenzeit mit Bing Streetsite, das allerdings nur wenige Gebiete aus den USA abdeckt. In Deutschland ist Google Street View noch nicht gestartet, hierzulande werden noch Aufnahmen angefertigt und Streitigkeiten mit Gemeinden und Datenschützern ausgefochten. Doch im Herbst 2010 sollen Fotos aus Deutschland in Google Street View zu finden sein. Man darf gespannt sein, welche Peinlichkeiten und Kuriositäten dann ans Tageslicht gebracht werden.


t-online.de mit Material von dpa, AFP  

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Kommentare (18)

zum Forum

Thema: "Google Street View: Tausende Bürger erheben Einspruch"

Anita schrieb: am 26. April 2010 um 10:11:34
(0) (0) Google Street View
1. Google behauptet, nur aufzunehmen, was auch jeder Fußgänger sehen könne, und schreibt gleichzeitig, dass die Kamera
wenigstens 2,50m hoch angebracht ist. Wie viele 2,50m große Leute gibt es? 2. Was würde passieren, wenn ein deutsches Unternehmen auch solche Aufnahmen in den USA machen würde?
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Pausenfüller schrieb: am 23. April 2010 um 11:13:59
(0) (0) Google
Jeder Autofahrer darf gern schauen, für den kurzen Moment. Aber Fotos Weltweit und für irgendwelche Kriegstreiber sind mir ein Dorn
im Auge. Ich bin ein normaler Mensch der eben auch ein wenig Privatsphäre möchte und nicht Angst vor Erpressern haben will, nur weil ich mal nackt in der Küche stand.
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Marcel schrieb: am 23. April 2010 um 02:09:37
(0) (0) Google Street View
Wieso müssen wir Deutschen immer so Jammern nimmt mal beispiel an USA. Datenschutz alles nur geheule und schwachsinn.

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