15.07.2008, 09:58 Uhr | Sascha Plischke
Teil der Google-Flotte: Opel Astra mit "Kamera-Periskop". (Foto: Google)Bitte lächeln für Google! Der Suchmaschinenriese bringt seine virtuelle Stadtrundfahrt Street View nun auch nach Deutschland. In Berlin, Frankfurt und München wurden die Kamera-Wagen bereits gesichtet. Datenschützer melden jedoch Bedenken an und sehen die Privatsphäre der abgelichteten Passanten in Gefahr. Google wiegelt ab und will die Gesichter der Menschen anonymisieren. Wer dem Versprechen nicht traut, sollte sich in Zukunft auf der Straße benehmen – wer weiß schon , wann die neugierigen Kameras vorbei rollen.
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Elf Linsen, Rundumblick, alle zwei Sekunden ein hochauflösendes Bild: Den High-Tech-Kameras von Google entgeht so schnell nichts. Die Geräte fotografieren die Straßen einer Stadt Stück für Stück ab, eine 360-Grad-Aufnahme nach der nächsten. Diese Aufnahmen hintereinander zum Durchklicken ergeben am Ende eine virtuelle Städte-Tour aus der Sicht eines Autofahrers. Das ist Google Street View, eine Zusatzfunktion des Kartendienstes Google Maps. In den USA hat der Suchmaschinenriese so schon dutzende Großstädte abgelichtet – nun soll Europa folgen. Neben den drei deutschen Metropolen sind die Kamera-Wagen auch in Frankreich, Italien, Großbritannien und den Niederlanden unterwegs.
Virtuelle Tour durch europäische Metropolen
Am Ende sollen alle großen europäischen Städte virtuell befahrbar sein – Straßenszenen in Berlin, London oder Rom, nur einen Klick entfernt. Tatsächlich ist das Angebot beeindruckend: Der Anwender bewegt sich in Street View mit der Maus durch die Straßen, als säße er selbst hinter dem Steuer des Google-Autos. Die Rundum-Aufnahmen lassen sich beliebig schwenken und heranzoomen und offenbaren einen detaillierten Blick auf die Stadt. Der Nutzer vor dem Computer kann sich freuen – noch nie waren virtuelle Touren so schön und detailgetreu wie bei Google.
Peinliche Bilder in bester Auflösung
Für die abgelichteten Passanten kann diese Detailtreue jedoch schnell zum Verhängnis werden. Die Kameras erwischen Menschen immer wieder auch in peinlichen Situationen, egal ob beim Nasebohren, dem Pinkeln an der Straßenecke oder beim Verlassen eines Bordells. Aber auch das Abfotografieren der ganz normalen Lebensumstände dürfte nicht jedem gefallen, die ungefragt fotografierten Privatgrundstücke und Hauseingänge können von jedem nach Belieben begafft werden. Das Privatleben der Passanten wird dank der Google-Kameras also zum Spektakel für ein internationales Millionenpublikum. In den USA machten sich gleich mehrere Webseiten nach dem Start des Angebots einen Sport daraus, die peinlichsten Szenen zu finden. Für die Betroffenen ist das unangenehm, für die Voyeure am Bildschirm ein Riesenspaß.
Google wiegelt ab
Datenschützer sehen die neue Anwendung deshalb skeptisch. Google will diesen Bedenken mit einer automatischen Anonymisierung begegnen. Die Gesichter der aufgenommenen Personen sollen verpixelt und unkenntlich gemacht werden, genau wie die Nummernschilder der abgebildeten Fahrzeuge. Ob das jedoch ausreicht, um eine eindeutige Identifizierung der Menschen durch Freunde oder Familie zu verhindern, lässt sich bezweifeln. Die Bilderflut lässt sich nur mit einem automatischen Anonymisierungs-Algorithmus bewältigen, und der kann Fehler machen. In den nächsten Wochen sollten sich Fußgänger also vorsehen – die Google-Spione lauern überall.
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Sascha Plischke
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