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Google deaktiviert nach Hacker-Angriff chinesische Zensur

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Nach Hacker-Attacken: Google will raus aus China

13.01.2010, 08:21 Uhr | Andreas Lerg mit Material der dpa

Google-Hauptquartier in China mit chinesischer Flagge (Foto: dpa)

Google-Hauptquartier in China mit chinesischer Flagge (Foto: dpa)

Google überdenkt nach massiven Hacker-Attacken auf E-Mail-Konten chinesischer Menschenrechtsaktivisten sein Engagement in der Volksrepublik China. Die ausgefeilten Angriffe seien im Dezember gezielt aus der Volksrepublik erfolgt. Als erste Maßnahme beendet Google auf google.cn die vom chinesischen Staat per Gesetz verlangte Zensur der Suchergebnisse.

Google-Chefjurist David Drummond schrieb am Dienstag im offiziellen Google-Blog, dass Mitte Dezember Server von Google und anderen westlichen Unternehmen massiv angegriffen worden seien. Ziel der Hacker-Attacken seien unter anderem Mailkonten chinesischer Menschenrechtsaktivisten gewesen. Drummond schreibt im Blog: "Wir haben entschieden, dass wir nicht länger bereit sind, unsere Suchergebnisse auf Google.cn zu zensieren." Der deutsche Google-Sprecher Kay Oberbeck bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur die Echtheit des Blogeintrags und die Entscheidung Googles.

Gezielter Angriff auf Google durch Hacker

Bei den Hacker-Angriffen aus China wurden nach einem Bericht des Wall Street Journals wichtige Quellcodes gestohlen, mit denen potenziell Zugang zu anderen Daten gewonnen und Sicherheitsmängel identifiziert werden können. Google sprach nur vage vom "Diebstahl geistigen Eigentums" und einem "hoch raffinierten und gezielten Angriff auf unsere Unternehmensstruktur, der aus China kam". In dem ausführlichen Blog-Beitrag beschreibt Jurist Drummond, dass die Hacker-Angriffe auf Googles E-Mail-Dienst GMail auch Dutzenden von E-Mail-Konten von Menschenrechtsaktivisten in den USA, in Europa und China galten. Unter anderem hätten die Täter diese E-Mail-Konten mit systematischen Phishing-Mails attackiert. Ziel sei es gewesen, mit gefälschten Login-Seiten die Zugangsdaten zu den E-Mail-Konten abzufischen. Dieser Versuch sei aber gescheitert und nur zwei Mail-Konten wären erfolgreich geknackt worden.

Google sucht das Gespräch mit chinesischer Regierung

Google will in den kommenden Wochen das Gespräch mit der chinesischen Regierung suchen, um zu besprechen, wie Google in China ungefilterte Suchergebnisse im Rahmen der geltenden Gesetze anbieten könne. Im Google-Blog schreibt Drummond: "Wir sind uns darüber bewusst, dass dies zum Abschalten von google.cn und zur Schließung unserer Büros in China führen kann." Diese Entscheidung sei vom Google-Management in den USA getroffen worden, ohne dass die Google-Beschäftigten in China davon gewusst hätten oder in die Entscheidung einbezogen worden seien.

Google zensierte bisher Suchergebnisse in China

Die chinesische Seite von Google, Google.cn, ging im Januar 2006 an den Start. Der Suchmaschinenkonzern verpflichtete sich damals, die Gesetze in der Volksrepublik China einzuhalten und auf der chinesischen Google-Seite die Suchergebnisse entsprechend zu filtern. Diese Geschäftspolitik war von Google-Kritikern als ein Einknicken vor der staatlichen Zensur angeprangert worden. Google ist in Sachen Internetsuche in China nicht Marktführer und liegt hinter dem chinesischen Suchportal Baidu.com. Die asiatische Suchmaschine erreichte im dritten Quartal 2009 einen Marktanteil von 77 Prozent der etwa 340 Millionen Internet-Nutzer in China.

Rückzug wäre "dümmste Entscheidung von Google"

Einen Rückzug Google aus China werten Internetexperten als nachteilig. "Sich aus China zu verabschieden, wäre die dümmste Entscheidung von Google", sagte der frühere Chef von Microsoft China, Tang Jun. "China aufzugeben, bedeutet, die halbe Welt aufzugeben." Der chinesische Experte Xiang Ligang sagte Medien zufolge: "Wenn sich Google zurückzieht, wäre das ein großer Verlust für das Unternehmen und die chinesischen Internetnutzer". Er fügte aber hinzu, dass die chinesischen Nutzer das wohl innerhalb von nur drei Monaten vergessen haben dürften.


Andreas Lerg mit Material der dpa  

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