29.09.2008, 08:40 Uhr | Sascha Plischke | dpa
Teil der Google-Flotte: Opel Astra mit "Kamera-Periskop". (Foto: Google)Aufstand gegen Google: Die Gemeinde Molfsee bei Kiel will laut einem Zeitungsbericht dem Unternehmen Fotoaufnahmen auf ihren Straßen untersagen. Die sollten eigentlich für die virtuelle Rundfahrt Street View abgelichtet werden, die Google demnächst auch in Deutschland anbieten will. Für den Internet-Konzern ist das ein attraktiver neuer Dienst, Datenschützer warnen hingegen vor den neugierigen Kameras. Deshalb wollen nun auch andere Gemeinden Google aussperren.
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Grundlage für das geplante Verbot sei die Straßenverkehrsordnung. Das berichten die "Lübecker Nachrichten" in ihrer Sonntagausgabe. Google benötige nach Rechtsauffassung der Gemeinde eine Sondernutzungserlaubnis für die kommerziellen Aufnahmen – und die werde die Gemeinde ablehnen. "Wir lassen uns das nicht gefallen! Wir wollen nicht mit unseren Häusern im Internet zu sehen sein“, sagte Molfsees CDU-Fraktionschef Reinhold Harwart den Lübecker Nachrichten. "Auf den Fotos ist doch alles zu sehen! Das öffnet Verbrechern Tür und Tor zu unseren Häusern." Auch die Hansestadt Lübeck sowie weitere schleswig-holsteinische Gemeinden prüfen nun rechtliche Schritte gegen Google.
High-Tech-Kameras lichten Deutschland ab
Seit mehreren Wochen sind Google-Mitarbeiter mit speziellen Kamera-Wagen unterwegs. Die High-Tech-Kameras auf den Dächern der Fahrzeuge fotografieren dabei die Straßen einer Stadt Stück für Stück ab, eine 360-Grad-Aufnahme nach der nächsten. Diese Aufnahmen hintereinander zum Durchklicken ergeben am Ende eine virtuelle Städte-Tour aus der Sicht eines Autofahrers. In den USA hat der Suchmaschinenriese so schon dutzende Großstädte abgelichtet – nun soll Europa folgen.
Peinliche Bilder in bester Auflösung
Für die abgelichteten Passanten kann diese Detailtreue jedoch schnell zum Verhängnis werden. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hatte bereits direkt nach dem Bekanntwerden der Fotografier-Aktion erhebliche Bedenken geäußert. Mit dem Google-Angebot würden persönliche Lebensumstände noch intensiver ausgeleuchtet. Privatpersonen auf der Straße werden ungefragt und ohne ihr Wissen fotografiert und können dann von jedem Internetnutzer nach Belieben begafft werden. In den USA machten sich gleich mehrere Webseiten nach dem Start des Angebots einen Sport daraus, die peinlichsten Szenen zu finden: Menschen beim Nasebohren, dem Pinkeln an der Straßenecke oder beim Verlassen eines Bordells. Für die Betroffenen ist das unangenehm, für die Voyeure am Bildschirm ein Riesenspaß.
Google wiegelt ab
Google will den Bedenken von Datenschützern und Behörden mit einer automatischen Anonymisierung begegnen. Die Gesichter der aufgenommenen Personen sollen verpixelt und unkenntlich gemacht werden, genau wie die Nummernschilder der abgebildeten Fahrzeuge. Ob das jedoch ausreicht, um eine eindeutige Identifizierung der Menschen durch Freunde oder Familie zu verhindern, lässt sich bezweifeln. Die Bilderflut lässt sich nur mit einem automatischen Anonymisierungs-Algorithmus bewältigen, und der kann Fehler machen.
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Sascha Plischke | dpa
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