27.02.2009, 09:18 Uhr | Sascha Plischke
Die Stadt Eu am Ärmelkanal. (Foto: Google Earth)Die Stadt Eu in der Normandie hat es nicht leicht: Bei wird es einfach nicht gefunden. Denn obwohl der Ort früher da war, dominiert die Europäische Union mit ihrem Kürzel alle Suchanfragen bei der Suchmaschine. Deshalb greift die Bürgermeisterin nun zu drastischen Mitteln. Um den Tourismus in dem malerischen Örtchen anzukurbeln soll Eu nun kurzerhand umgetauft werden.
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Eigentlich hat das Dorf ja einiges zu bieten: Ein durchaus hübsches Schlösschen liegt ganz in der Nähe des Weilers, und liebevoll gepflegte Gärten überall im Ort verleihen Eu einen einzigartigen Charme. Dass sich trotzdem kein Tourist für den französischen Ort interessiert ist die Schuld der Europäischen Union. Allerdings hat der Staatenbund diesmal keine kontroverse Verordnung hinterlassen, sondern schlichtweg eine ungünstige Abkürzung. Denn wer bei Google nach der Buchstabenkombination "eu" sucht landet bei europäischem Rat und Kommission, vielleicht auch beim europäischen Parlament – aber nicht auf der Seite des schönen Ortes in der Normandie.
Dabei braucht das Dorf Touristen. Marie-Françoise Gaouyer, die Bürgermeisterin von Eu hat nun zwei Möglichkeiten: Sie könnte viele tausend Euro aus dem Stadtsäckel nehmen und sich damit an die Spitze der Suchanfragen kaufen. Oder sie benennt das Städtchen einfach um. "Die zweite Option erscheint sinnvoller," so die Bürgermeisterin im Gespräch mit der englischen Zeitung Daily Telegraph. "Soweit es das Internet angeht müssen wir einfach auf dem neuesten Stand sein. Madame Gaouyer hat auch schon einen neuen Namen: Ville d'Eu, Dorf von Eu, soll der Ort demnächst heißen. Andere Möglichkeiten wären Eu-le-Château oder Eu-en-Normandie.
Mit der Idee muss sich die Bürgermeisterin allerdings noch im Ort durchsetzen. Über die Namensänderung sollen die etwa 8000 Einwohner von Eu in einem Referendum abstimmen. Dabei muss sie sich gegen eine starke Gruppe von Traditionalisten durchsetzen. Denen gefällt der aktuelle Name eigentlich ganz gut, und überhaupt habe der Name eine stolze Geschichte. Schließlich hätten William, der normannische Eroberer von England und Jeanne d'Arc seinerzeit weder irgendein Dorf namens Ville d'Eu oder Eu-le-Château besucht, sondern einfach Eu.
Der Bürgermeisterin stehen also noch viele lange Diskussionen bevor, bis die Google-Optimierung des Stadtnamens beschlossen ist. Falls sie überhaupt beschlossen wird. Und selbst nach einem Erfolg in der Abstimmung müsste sich Madame Gaouyer noch länger gedulden, denn in Frankreich wird eine Namensänderung erst nach einer fünfjährigen Übergangszeit legal – eine Zustimmung der Regierungsbehörden vorausgesetzt. Und am Ende könnte der ganze Wirbel umsonst gewesen sein. Denn wie Google betont, steht Eu längst an der Spitze der Suchanfragen. Durch die ganze Berichterstattung über die Namensänderung landet der Ort bei google.fr ganz oben – bei einer Suche nach "Ville d'Eu".
Sascha Plischke
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