27.04.2011, 13:20 Uhr | Andreas Lerg
Virenbaukasten für Facebook. (Symbolfoto: imago)
Für 25 Dollar bieten Hacker im Internet mit Tinie App einen Werkzeugkasten an, mit dem sich jeder Laie ganz ohne Fachkenntnis schnell und einfach virale Facebook-Anwendungen basteln und auf der beliebten Internet-Seite verbreiten kann. Mir diesen Spam-Apps wird dann Kasse gemacht. Sicherheitsexperten werten das als Beleg, das Online-Kriminelle immer stärker auf Facebook und andere soziale Netzwerkseiten aktiv sind.
Tinie App kostet umgerechnet keine 19 Euro und ist eine Art Werkzeugkasten, mit dem selbst der unerfahrene Laie sich verschiedene virale Facebook-Apps per Mausklick zusammen bauen kann. "Der Käufer muss nur den mitgelieferten Anleitungen folgen, und schon hat er eine funktionierende virale Facebook-Anwendung zur Verfügung", warnt Sicherheitsexperte Elad Sharf von den Websense Security Labs im Firmenblog. Viral bedeutet, dass sich die App innerhalb von Facebook wie ein Grippevirus von selbst weiter verteilt. Einige der Spam-Aktionen, die in den vergangenen Tagen und Wochen auf dem sozialen Netzwerk in Umlauf gebracht wurden, seien mit Tinie App gebaut worden, so Sharf weiter.
Tinie App bietet fertige Vorlagen, die der Nutzer nur anpassen muss. So kann er Umfragen erstellen, mit denen er dann Geld verdienen kann. Das funktioniert über so genannte Cost Per Action-Abrechnung (CPA). Das ist mit Werbeanzeigen auf normalen Internet-Seiten vergleichbar. Nur wird hier nicht der Klick auf die Anzeige bezahlt, sondern die Teilnahme an einer Umfrage. Dafür gibt es pro geködertem Teilnehmer zwischen 10 Cent und 1,50 Euro. Gelingt es dem Nutzer von Tinie App, möglichst viele Facebook-Mitglieder zur Teilnahme an der Umfrage zu bewegen, kann er viel Geld verdienen.
Damit möglichst viele Nutzer auf diese Masche herein fallen, wird mit entsprechenden Verlockungen gearbeitet. Mal werden die "Hottest Girls ever" versprochen. Mal soll die App angeblich anzeigen, wer das Profil eines Mitgliedes besucht, oder dort die Fotos betrachtet. Diese Funktion lässt Facebook aber gar nicht zu. Das Mitglied soll die App zulassen und auch den Zugriff auf Profilinformationen frei schalten. Damit nistet sich die Anwendung im Profil ein, greift dort Informationen ab und postet meist selbst einen Link in den Profilen aller Freunde des Mitgliedes. Fallen mehrere Facebook-Freunde wieder darauf herein, geschieht das gleiche mit deren Profil. So verbreitet sich die App Lawinen-artig immer schneller.
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Die Sicherheitsexperten von McAfee warnten bereits im Dezember, dass Facebook und andere soziale Netzwerke ab 2011 immer mehr ins Visier von Online-Kriminellen geraten. Gegenüber der Branchendienst ZDnet erklärte Vincent Weafer von McAfee: "Wir haben einen deutlichen Anstieg der Akzeptanz mobiler Geräte und sozialer Netze gesehen. Sie sind in kurzer Zeit sehr beliebt geworden und wir stellen jetzt schon viel mehr Schwachstellen und Angriffe und Datenverluste fest." Da Facebook das mit Abstand populärste soziale Netzwerk ist, sind Online-Kriminellen dort besonders aktiv.
Innerhalb von Facebook hilft vor allem Aufmerksamkeit und Skepsis. Empfiehlt beispielsweise ein Facebook-Freund, der üblicherweise Deutsch spricht, plötzlich auf Englisch Facebook-Apps, Fotos oder Internet-Links, dann sollten Sie Vorsichtig sein. Auch wenn Freunde plötzlich in Englisch oder mit ungewohnt unpersönlichen, fast maschinell wirkenden Sätzen Linkempfehlungen auf Ihre Pinwand posten, stimmt etwas nicht. Dann hilft eine Nachfrage per E-Mail, SMS oder Telefon bei dem Freund, um zu klären ob hier eine solche virale Spam-App dahinter steckt.
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Andreas Lerg
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