11.02.2010, 16:35 Uhr | Andreas Lerg mit Material der dpa
Schwerverbrecher Colin Gunn und 30 weitere Kriminelle wurden von Facebook ausgesperrt. (Quelle: t-online.de)
Schluss mit Facebook im Knast: Die britische Regierung hat nach diversen unschönen Facebook-Auftritten inhaftierter Krimineller jetzt 30 Facebook-Konten von Häftlingen sperren lassen. Dies vor allem, weil die Verbrecher auf ihren Seiten in dem beliebten Sozialen Netzwerk ihre Opfer und deren Angehörige verhöhnten.
Justizminister Jack Straw erklärte am Donnerstag in London: "Facebook ist unserer Forderung nachgekommen und hat die betreffenden Seiten innerhalb von 48 Stunden gelöscht." Die britische Regierung sei sich mit Facebook einig, dass eine effektivere Überwachung der Seiten notwendig sei. Die Verhöhnung im Internet sei, so Straw, "eine moderne Version des alten Problems der Schikane von Opfern". Dem will Großbritannien vor allem im Internet einen Riegel vorschieben.
Zudem sollten die Gefängnisvorschriften verschärft werden, damit Häftlinge nicht mehr mit geschmuggelten Mobiltelefonen Internetseiten benutzen und ihre Opfer weiter drangsalieren könnten. In manchen Fällen hatten auch Angehörige von Häftlingen Einträge ins Internet gestellt, denn Häftlinge dürfen im Gefängnis nicht frei im Internet surfen. Die Regeln gestatten das nur unter Aufsicht und zu Lernzwecken. Nach Angaben des Justizministeriums werden Mobiltelefone vor allem in Körperöffnungen in Gefängnisse geschmuggelt.
Großbritannien hatte in letzter Zeit einige Peinlichkeiten mit seinem Gefängnisinsassen verbuchen müssen. Der zu 35 Jahren Haft verurteilte Schwerverbrecher Colin Gunn verschickte aus dem Gefängnis in Worcestershire heraus problemlos per Facebook allerlei Drohungen an Widersacher und organisierte vermutlich auch Drogengeschäfte. Die Gefängnisleitung gestattete ihm laut seiner Aussage ohne Weiteres, Facebook zu nutzen. Und Mitte des letzten Jahres verspottete Craig "Lazie" Lynch nach seinem Ausbruch aus dem Gefängnis monatelang die Polizei auf Facebook, landete schlussendlich aber doch wieder hinter Gittern.
In Deutschland erfreut sich Facebook über einen rasanten Anwenderzuwachs. "Mittlerweile nutzen 7,5 Millionen Menschen in Deutschland aktiv Facebook", sagte Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg am Donnerstag zur Eröffnung der deutschen Niederlassung in Hamburg. Vor einem Jahr zählte das kalifornische Unternehmen noch rund zwei Millionen aktive Nutzer in Deutschland. Mit 400 Millionen Mitgliedern insgesamt ist Facebook das derzeit weltgrößte Online-Netzwerk. Von dem Büro in Hamburg aus steuert Facebook vor allem den Vertrieb von Online-Werbung für den deutschen Markt.
Andreas Lerg mit Material der dpa
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