14.09.2010, 10:03 Uhr | Christian Fenselau
Bewährungsstrafe für den eBay-Betrüger (Quelle: dpa)
Ein eBay-Betrüger ist am Landgericht Fulda mit einer milden Strafe davongekommen. Die Richter der Zweiten Strafkammer verurteilten den 31-jährigen Täter zu zwei Jahren Bewährungsstrafe. Wie die Fuldaer Zeitung berichtet, ergaunert der Händler 95.000 Euro – allerdings nicht in voller Absicht, wie er den Richtern glaubhaft darlegte. Dem Händler war sein Geschäft über den Kopf gewachsen, er reagierte er mit einer Kurzschlusshandlung und floh nach Griechenland. Als er zur Beerdigung seines Bruders nach Deutschland kam, nahm die Polizei ihn fest.
Der 31-Jährige ist gebürtiger Grieche, wuchs aber in der hessischen Stadt Fulda auf. Von dort aus führte er einen Internet-Versandhandel mit Handys und Navigationsgeräten. Der Umsatz war anfangs klein, zwei bis drei Anfragen wickelte der Händler täglich ab. Im Laufe der Zeit wuchs der Handel immer weiter an und damit dem Inhaber über den Kopf. Am Ende wickelte er 2200 Bestellungen in zwei Monaten ab, 152 Aufträge blieben jedoch unbearbeitet. Die Kunden hatten gezahlt, aber keine Ware erhalten, sie erstatteten Anzeige. Aus Angst vor Konsequenzen setzte sich der Mann, ein ausgebildeter Handelsfachwirt, in sein Heimatland ab. Vorher hob er allerdings noch einen größeren Geldbetrag von seinem Konto ab. Der Angeklagte gab eine Summe von 30.000 Euro zu Protokoll, die Staatsanwaltschaft sprach hingegen von 530.000 Euro. Einen Teil des Geldes zahlte er später seinen geprellten Kunden zurück.
Der Handelsfachwirt erklärte den Richtern, dass er nicht aus Betrugsabsicht handelte. Wegen Arbeitsüberlastung wurde er Januar 2009 wegen Verdachts auf Herzinfarkt in ein Krankenhaus eingeliefert. Danach machte er zunächst weiter, bis er die Flucht ergriff – ohne seine Familie, die auch in Deutschland lebt. Der Tod seines älteren Bruders führte ihn nach Deutschland zurück. Hier saß er bis zum Prozess vier Monate in Untersuchungshaft.
Die Richter hielten die Ausführungen des Angeklagten für glaubhaft und verurteilten ihn zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe, so dass der Grieche um einen weiteren Gefängnisaufenthalt herumkam. "Sie sind kein Mann, der einen Internetshop aufmacht, um Menschen betrügen zu wollen", sagte die Vorsitzende Richterin Michaela Kilian-Bock. Der Verurteilte wirkte durch das Urteil erleichtert und will seine restlichen Schulden begleichen.
Christian Fenselau
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