16.07.2010, 09:11 Uhr | dpa
Forscher entwickeln "Radiergummi" für das Internet (Foto: t-online.de) (Quelle: t-online.de)
Was einmal im Internet steht, ist nicht mehr zu löschen, warnen Personalberater, Lehrer und Datenschützer immer wieder. Doch künftig können Nutzer möglicherweise ihre Partyfotos und Kommentare bei Facebook und Co. mit einem Verfallsdatum versehen: Saarbrücker Informatiker haben eine Art digitalen Radiergummi entwickelt. Auch Laien sollen damit ihre Dateien nach einer selbst festgelegten Frist wieder aus dem Verkehr ziehen können. Eine völlige Kontrolle über die eigenen Daten im Netz ermöglicht das Verfahren allerdings nicht.
Die Grundidee: Bevor Nutzer etwas im Internet veröffentlichen, verschlüsselt das an der Universität des Saarlandes entwickelte System die Daten. Will jemand sie ansehen, muss er den passenden Schlüssel anfordern. Diesen wollen die Experten künftig auf Servern vertrauenswürdiger Organisationen ablegen. Wenn die vorgesehene Frist abläuft, zieht das System die Schlüssel aus dem Verkehr. "Wer sicher gehen will, dass ein Partybild im Sozialen Netzwerk nach ein paar Monaten verschwindet, gibt einfach schon beim Hochladen des Fotos ein Verfallsdatum ein", nennt Michael Backes von der Universität des Saarlandes ein Beispiel.
Für Nutzer sei das System einfach zu bedienen und nur mit geringem Aufwand verbunden, so der Professor, der das Projekt leitet. Lediglich ein kleines Zusatzprogramm für den Browser (Add-on) sei nötig, so der Fachmann für Informationssicherheit und Kryptographie. Die Ver- und Entschlüsselung der Daten läuft ohne Zutun des Nutzers im Hintergrund. Einen ersten Prototypen der Software soll es noch im Juli geben, zunächst für den Firefox-Browser. Die verschlüsselten Daten lassen sich laut Backes ohne Probleme in Internetseiten und soziale Netzwerke integrieren: "Wir manipulieren nicht Facebook und Co, sondern die Dateien." Nutzer laden beispielsweise weiterhin eine Bilddatei hoch - allerdings ist das Foto ohne den dazugehörigen Schlüssel verrauscht und unkenntlich. Und statt des eigentlichen Textes erscheint Kauderwelsch.
Damit Suchmaschinen wie Google und Bing die Daten während der Veröffentlichung nicht durchsuchen und in ihren Rechenzentren speichern, haben die Forscher eine Hürde eingebaut: Beim Abruf der Daten müssen Nutzer ein sogenanntes Captcha eingeben - eine verzerrt dargestellte Folge von Buchstaben und Ziffern, die Computer nicht automatisch auslesen können, Menschen aber schon. Allerdings bietet das System keine vollständige Sicherheit. Wenn etwa jemand die Daten während der vorgegebenen Veröffentlichungsfrist kopiert und ins Netz stellt, hilft auch die Verschlüsselung nicht mehr. Doch anders als derzeit müssten sich Nutzer große Mühe machen, sagt Backes. "Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Leute im großen Stil Fotos und Texte aus ihrem Bekanntenkreis speichern."
Quelle: dpa
Panduarus schrieb:
am 29. Juli 2010 um 10:14:27
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Keine Chance
Jede Wette - dieses viel zu komplizierte, voraussetzungsreiche und letztlich alles andere als 100% sichere System wird sich
niemals durchsetzen. Verantwortungsvolles Nutzerverhalten ist auch weiterhin durch nichts zu ersetzen. Interessant wäre nebenbei eventuell noch die Frage, wie dieses vollkommen aussichtslose Uni-Forschungsprojekt eigentlich finanziert wurde ...
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uzzi schrieb:
am 18. Juli 2010 um 18:43:08
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Irrsinn..!
Ich kann nur folgendes sagen. Es ist wirklich Wahnsinn was Millionen von Menschen in unglaublicher Naivität ins Internet stellen.
Personalchefs, Vermieter, Versicherungsagenten, Verbrecher aller Art.....und und und freuen sich tierisch über soviel Offenheit und Freizügigkeit. Ein Persönlichkeits- und Gesundheitsprofil eines Menschen läßt sich heutzutage in ca. einer halben Stunde erstellen. Über die Konsequenzen kann ja mal jeder selber nachdenken.....
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XXX schrieb:
am 17. Juli 2010 um 09:45:09
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Gedanken machen
Ist schon richtig, dass sich wenige, die jetzt bereits Bilder zu Facebook oder ähnlichen Portalen hochladen, Gedanken über
den späteren Verbleib machen. Allerdings gibt es bestimmt viele, die das bisher nicht gemacht haben, da es einfach zu unsicher ist. Für diese bietet dies nun neue Möglichkeiten. Und ich denke, dass diese User dann auch das Prinzip verstehen. Vielleicht greifen die Anbieter solcher Portaler dieses Prinzip ja auf und machen damit ihre Systeme von Haus aus sicherer.
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