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Das Rätsel der verschwundenen Megabyte

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Das Rätsel der verschwundenen Megabyte

Christoph Schmidt/Boris Dunkel

Windows zeigt weniger Arbeitsspeicher an als tatsächlich verbaut ist.

Windows zeigt weniger Arbeitsspeicher an als tatsächlich verbaut ist. (Quelle: t-online.de)

Nur 3,5 statt 4 Gigabyte Arbeitsspeicher, nur 465 statt 500 Gigabyte auf der Festplatte: Wer Windows die Speicherkapazität seines PC überprüfen lässt, kommt leicht ins Zweifeln. Auf wundersame Weise scheinen praktisch jedem PC Mega- und Gigabyte zu fehlen - doch wohin ist der Speicher verschwunden?

Das Rätsel hat mindestens drei Lösungen. Im Fall der Festplatte handelt es sich eindeutig um einen zweifelhaften Rechentrick der Festplattenhersteller, der schon die Justiz beschäftigte. Alle Laufwerkshersteller berechnen den Speicherplatz ihrer Festplatten einfach nach dem für sie günstigen Dezimalsystem. Das arbeitet mit Zehnerpotenzen, wohingegen Computer das Binärsystem verwenden, das mit Zweierpotenzen rechnet. Für die Hersteller rechnet sich das im wahrsten Sinne des Wortes: Die Zahlenangaben erscheinen größer als der tatsächlich vorhandene Speicherplatz. Nach Herstellerrechnung entspricht ein Gigabyte eine Milliarde Bytes. Tatsächlich besteht aber ein Gigabyte aus etwa 1,07 Milliarden Bytes - ein Unterschied von sieben Prozent. So fehlen bei einem Gigabyte Festplattenspeicher bereits 70 Megabyte. Dieser Unterschied macht sich erst bei großen Datenmengen bemerkbar - dann aber richtig. Fehlt Ihnen auch Speicher? Speichergröße ermitteln - so geht's.

Hersteller verklagt - Kunden entschädigt

Der Nutzer ist am Ende der Dumme und muss mit weniger als dem versprochenen Speicher auskommen. Dies führte im Jahr 2005 sogar dazu, dass verärgerte Kunden den Festplattenhersteller Seagate verklagten - und das mit Erfolg. Seagate einigte sich außergerichtlich und entschädigte US-Kunden, die zwischen 2001 und 2005 Festplatten des Herstellers gekauft hatten. Jeder bekam fünf Prozent des Nettopreises seiner Festplatte erstattet. Seine irreführende Werbung hat der Festplattenhersteller allerdings beibehalten.

Grafikchip klaut Arbeitsspeicher

Während es sich bei Festplatten also lediglich um eine Finte handelt, geht bei vielen PC Arbeitsspeicher tatsächlich verloren - zumindest steht er dem Anwender nicht zur freien Verfügung. Der Grund: Jeder PC braucht für die Darstellung des Bildschirminhalts Speicher. Steckt in dem PC eine Grafikkarte mit eigenem Grafikspeicher, findet der Bildschirminhalt dort Platz. Wo aber eine Grafikkarte fehlt, fehlt auch ein Grafikspeicher. Die meisten Mainboards sind heute in der Lage, eine Grafikkarte komplett zu ersetzen. Doch dafür muss ein Teil des RAM herhalten. Dieser Teil ist dann für Software-Anwendungen gesperrt. Bei Programmen mit aufwändiger 3D-Grafik können das 256 MB und mehr sein. Zudem kostet das "Shared-Memory"-Prinzip Rechenleistung. Wer also eine sogenannte onBoard- oder Chipsatz-Grafik verwendet, sollte immer im Hinterkopf behalten, dass ein bestimmter Teil des Arbeitspeichers bereits reserviert ist.

Das ärgerliche 4-Gigabyte-Loch

Sie besitzen eine separate Grafikkarte und Windows meldet trotzdem nicht den vollen Speicher? Das kommt vor, wenn in Ihrem PC 4 Gigabyte RAM verbaut sind. Windows kann dann tatsächlich nur zwischen 3 und 3,5 Gigabyte nutzen. Eigentlich sind Windows XP und Windows 7 in den verbreiteten 32-Bit-Versionen in der Lage, bis zu 4 GB RAM anzusprechen. Alles, was darüber hinaus geht, liegt unerreichbar brach. Aber warum stehen nicht wenigstens die vollen 4 GB zur Verfügung? Die Lösung: Jeder Speicherzelle ist eine Adresse zugewiesen, und nicht nur das Betriebssystem, auch das BIOS braucht Speicheradressen. Es reserviert sich die Speicheradressen unterhalb der 4-GB-Grenze für Steckkarten aller Art. Je nach Ausstattung Ihres Systems fallen dadurch bis zu eine Milliarde Speicheradressen (1 GB) weg. Solange im PC höchstens 3 GB RAM stecken, fällt das nicht auf. Bei 4-Gigabyte-PC hingegen bleibt mitunter das komplette vierte Gigabyte ungenutzt, da Windows schlichtweg die Adressen zum Ansprechen der Speicherzellen fehlen.

Hilfe gegen den Speicherschwund

Mit den Rechentricks der Festplattenhersteller muss man leben. Dagegen können Sie dem Speicherdieb Chipsatz-Grafik das Handwerk legen, zumindest, wenn Sie einen Desktop-PC besitzen: Bauen Sie eine Grafikkarte mit eigenem (dedizierten) Speicher ein. Selbst einfachste 30-Euro-Karten bieten genügend Grafik-RAM, so dass der Hauptspeicher unangetastet bleibt. Und das 4-Gigabyte-Loch? Da sieht es düster aus. Allein mit Softwaremitteln lässt sich nichts erreichen, es sei denn, Sie steigen auf ein 64-Bit-Windows um. Für XP-Nutzer heißt das in jedem Fall: Wechsel auf Windows 7. Die "Home Premium 64 Bit"-Version kann immerhin 16 GB verwalten. Wer einen Computer zusammen mit vorinstalliertem Windows 7 gekauft hat, kommt vielleicht sogar ohne Zusatzkosten an ein 64-Bit-Windows. Einige PC-Hersteller liefern ihre Computer mit vorinstalliertem 32-Bit-Windows aus, legen aber die 64-Bit-Variante mit in den Karton. Einfach "umstellen" von 32 auf 64 Bit lässt sich das System allerdings nicht. Windows und alle Programme müssen neu installiert werden. Für wen sich das lohnt und was Sie sonst noch beachten müssen, erfahren Sie in unserem ausführlichen Ratgeber 64-Bit-Windows.


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Christoph Schmidt/Boris Dunkel  

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