09.02.2009, 11:36 Uhr | pressetext.at
Zwei Tage mussten französische Kampfjets wegen Conficker am Boden bleiben. (Quelle: dpa)Der Computerschädling Conficker wütet weiterhin in Netzwerken rund um die Welt. Mitte Januar legte der Wurm die Systeme der französischen Luftwaffe lahm. Wie das Internet-Portal IntelligenceOnline aufgedeckt hat, begann der Wurmbefall bereits am 12. Januar.
Entdeckt wurde der Wurm erst Tage später, als der Schaden bereits so groß war, dass der Flugverkehr schwer beeinträchtigt war, wie aus einem vertraulichen Bericht hervorgeht. Aufgrund fehlender Flugpläne mussten die französischen Kampfjets zwei Tage lang am Boden bleiben.
Der Schädling gelangte wahrscheinlich durch einen USB-Stick in das Netzwerk. Er hat sich in der Folge derart schnell ausgebreitet, dass die Verantwortlichen alle Datenverbindungen kappen mussten, um weitere Computerinfektionen zu verhindern. Somit waren die Militärs kurzfristig auf Telefon und Fax als einzige Kommunikationsmittel angewiesen und wurden damit quasi in die Steinzeit des Informationszeitalters zurückgeworfen, berichten Insider. Französische Militärs sind nun um Schadensbegrenzung bemüht. Es sei lediglich der Datenaustausch von den Computerproblemen betroffen gewesen, so ein Sprecher der Luftwaffe gegenüber einer französischen Zeitung. Informationen wären keine verloren gegangen.
Der Wurm Conficker ist erstmals gegen Ende des vergangenen Jahres verstärkt aufgetaucht. Der Schädling nutzt eine hochkritische Lücke im Windows Server Service aus, die eigentlich bereits per Patch geschlossen wurde. Systeme, bei denen jedoch seit längerem kein Update gemacht wurde, sind nach wie vor gefährdet. Diese Tatsache ist auch den IT-Verantwortlichen der französischen Armee zum Verhängnis geworden, das Update wurde erst am 16. Januar eingespielt. Wenig beruhigend für die französische Öffentlichkeit ist auch die Beteuerung, es habe sich um keinen gezielten Angriff gehandelt.
Mittlerweile heißt es von Seiten der Verantwortlichen, dass das Netzwerk zu 99 Prozent wieder sicher sei. Zudem habe es sich beim befallenen System nur um das Intramar-Netzwerk gehandelt. Hingegen sei Sicmar, in dem brisante Informationen abgespeichert sind, nicht betroffen. Gegenüber dem Nachrichtenportal 01.net äußert Philippe Vasset, Chef von IntelligenceOnline, jedoch Bedenken: "Das Problem ist zu 70 Prozent gelöst." Kopfzerbrechen würde den hochrangigen Militärs im französischen Verteidigungsministerium in jedem Fall die Tatsache bereiten, dass das Ausmaß des Schadens schwer abzuschätzen ist. "Sie haben momentan keine präzisen Vorstellungen, wie sie den Schadensumfang messen sollen", so Vasset.
Ratschläge könnten sich die Franzosen jedoch auf der britischen Insel holen. Dort wurde das Verteidigungsministerium Anfang des Jahres Opfer von Conficker. In Österreich machten die IT-Verantwortlichen von Krankenhäusern des Bundeslandes Kärnten ebenfalls bereits Bekanntschaft mit dem Schädling.
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