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CeBIT 2011 - SUPA: Drahtlose Stromübertragung

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CeBIT 2011: Lebe lieber kabellos

01.03.2011, 09:53 Uhr | Matthias Kremp

Forscher vom Fraunhofer-Instituts zeigen die SUPA-Technik: Strom und Daten fließen von der Tischplatte in den Bildschirm. (Foto: Christmann)

Forscher vom Fraunhofer-Instituts zeigen die SUPA-Technik: Strom und Daten fließen von der Tischplatte in den Bildschirm. (Foto: Christmann)

Bald kommt Strom nicht mehr aus der Steckdose. Stattdessen sollen Bildschirme, Notebooks und Tablets künftig mit Energie aus der Tischplatte gespeist und wie durch Zauberhand mit dem Internet verbunden werden. Auf der CeBIT zeigen Unternehmen, wie das gehen soll.

Den Laptop auf den Tisch - und wie durch Magie fließen Strom und Daten von der Platte zum Rechner, ganz ohne Kabel. Das ist eine der Zukunftsvisionen, mit denen bei der weltgrößten IT-Messe CeBIT ab heute Fachpublikum und interessierte Laien beeindruckt werden sollen.

Strom kommt aus der Tischplatte

Nach "plug and play" soll "park and play" kommen. So stellen es sich jedenfalls die Forscher vom Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme (ENAS) vor. Sie haben eine Technik entwickelt, die endlich auch das letzte wirklich wichtige Kabel aus der Computertechnik verbannen soll, das Stromkabel. Künftig, so wird es auf der CeBIT gezeigt, könnten Laptops, Tablets und Bildschirme Energie direkt aus der Tischplatte beziehen, ohne Kabel und Verteilersteckdosen. Hinstellen und loslegen, "park and play", eben.

Ansätze in diese Richtung hat es schon mehrmals gegeben. Die erste praktische Anwendung drahtloser Energieabschöpfung hatten Berliner Schrebergärtner erfunden, als sie in den Dreißiger Jahren ihre Radioempfänger so umbauten, dass diese die Sendeenergie in Strom zum Betrieb einer Glühbirne umwandelten. Was in lauen Sommernächten zur Illumination der Gartenlaube taugte, wurde den Gärtnern damals allerdings verboten.

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Bis heute wird daran gearbeitet, die zugrunde liegende Technik so zu verfeinern, dass sie alltagstauglich wird. Chiphersteller Intel etwa zeigte erst 2008 neue Forschungsergebnisse zu diesem Thema, stellte deren Marktreife für 2013 in Aussicht. Unterdessen hat Handy-Hersteller Palm, heute ein Teil von HP, ähnliche Technik in seine Mobiltelefone integriert. Und zum Nachrüsten gibt es die Powermat-Ladegeräte, mit denen man viele Smartphones nachträglich etwas klobiger, dafür aber kabellos aufladbar machen kann.

Ein Hotspot im Tisch

Powermat und Palm ist dabei gemein, dass sie nur das Endgerät selbst drahtlos aufladen. Man muss trotzdem noch ein entsprechendes Ladegerät auf den Tisch stellen und an die Steckdose anschließen. Letztlich gewinnt man also nur ein wenig Komfort, da man keinen Stecker ins Handy stöpseln muss. Die Fraunhofer-Entwicklung soll das jetzt ändern, das Ladegerät überflüssig machen.

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Der Trick: Die SUPA (Smart Universal Power Antenna) genannte Technik kann direkt in verschiedene Oberflächen eingebaut werden. Ein Beispiel dafür ist auf der CeBIT zu sehen, ein Konferenztisch, in den die Ladetechnik in Form einer Antennenstruktur von außen unsichtbar integriert ist. Damit wird der gesamte Tisch zum Sender, zu einem Hotspot für Energie. Entsprechend ausgerüstete Endgeräte kann man also einfach auf den Tisch legen und schon werden sie mit Strom versorgt.

Weniger Kabel, weniger Stromverbrauch

Und nicht nur das. Über die zugrundeliegende Wireless-USB-Technologie (CWUSB) können außer Strom auch Daten übertragen werden. Ein mit SUPA ausgestattetes Notebook würde vom Tisch also nicht nur mit Energie versorgt, es wäre auch im Netz - und zwar besonders sicher. Die Reichweite der Technik ist nämlich auf etwa fünf Zentimeter beschränkt. Wer den Datenfunk mithören möchte, müsste dem Abgehörten ausgesprochen eng auf die Pelle rücken. Positiver Nebeneffekt: Die Strahlenbelastung für die Nutzer ist gering.

Außerdem, erklären die SUPA-Entwickler, sei das System nicht nur praktisch, sondern könnte auch helfen, bares Geld zu sparen. Sie rechnen vor, dass eine Arbeitsgruppe von vier Personen derzeit vier Steckdosen und acht Datenkabel braucht, um arbeiten zu können. Mit SUPA ließe sich dieser Aufwand auf ein Kabel reduzieren, nämlich jenes, das den Tisch mit der Steckdose verbindet. Und Strom, so das Argument, soll sich dabei auch einsparen lassen, weil das eine Netzteil des Tisches weniger Verlustleistung ungenutzt als Wärme abgibt als die vier, die sonst notwendig wären.

Bald auch in Bahn und Flugzeug?

Dass und wie das funktioniert, zeigt Fujitsu auf der CeBIT im sogenannten Planet Reseller, was schade ist, denn Zugang zu diesem Bereich haben nur Händler und die Presse, nicht aber normale Messebesucher. Einen Monitor will man dort zeigen, der via SUPA mit Strom und Bilddaten versorgt wird, den man also im laufenden Betrieb von einem Eck des Tisches zum anderen heben kann. Noch ist der 22-Zöller nur eine Designstudie, aber schon 2012 will Fujitsu entsprechende Monitore in den Handel bringen. "Wir sind der festen Überzeugung, dass Kabel bei Monitoren dank dieser Entwicklung bald passé sein werden", sagt Fujitsu-Manager Rajat Kakar.

Gebaut hat das futuristische Display allerdings nicht Fujitsu allein. Der große Konzern hat sich von dem mittelständischen PC-Hersteller Christmann helfen lassen, der die Fraunhofer-Technik in Fujitsus Monitore integriert und das Ganze zum Laufen gebracht hat. Und Geschäftsführer Wolfgang Christmann kann sich auch schon ganz andere Szenarien für den Einsatz der SUPA-Technik vorstellen.

Außer Konferenz- und Schreibtische ließen sich beispielsweise auch die Klapptische in ICEs und Flugzeugen oder Arbeitstische in Hotelzimmern mit der Drahtlos-Technik bestücken, was Geschäftsreisenden die Plage abnehmen würde, stets schwere Netzteile mit sich herumzuschleppen. Vorerst aber ist das noch Science Fiction. Denn bevor Bahn oder Lufthansa auf die Idee kommen, eine solche Technik zu verwenden, müsste die erst einmal ausreichend weit verbreitet sein. So wie W-Lan beispielsweise - und das hat rund zehn Jahre gebraucht, um wirklich den Massenmarkt zu erreichen.


Matthias Kremp  

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