15.01.2010, 08:46 Uhr | Andreas Lerg mit Material der dpa
CCC deckt Sicherheitslücken an Flughäfen auf. (Quelle: t-online.de)Während öffentlich über Nacktscanner zur Durchleuchtung der Fluggäste debattiert wird, hat der Chaos Computer Club (CCC) eine klaffende Lücke in der Sicherheit vieler deutscher Flughäfen aufgedeckt. Mit einem selbst gebastelten Gerät hackte der CCC das veraltete Sicherheitssystem des Hamburger Flughafens, das den Zugang für Mitarbeiter zu sicherheitsrelevanten Bereichen kontrolliert. Viele Flughäfen nutzen das gleiche System.
Gegenüber dem ARD-Magazin Kontraste erklärte CCC-Mitglied Karsten Nohl: "Das System auszuhebeln ist einfach. Wir waren schlicht schockiert, überhaupt keine Hürden zu finden, die wir hätten überwinden müssen." Das Sicherheitssystem Legic Prime, das der CCC am Flughafen Hamburg knackte, kommt beispielsweise auch an den Flughäfen Berlin-Tegel, Stuttgart, Dresden und Hannover zum Einsatz.
Flughafenmitarbeiter erhalten über einen elektronischen Chip-Ausweis Zugang zu sicherheitsrelevanten Bereichen des Hamburger Flughafens. Das System eines Schweizer Herstellers schützt die auf dem Chip abgelegten Daten jedoch nicht durch eine Verschlüsselung. Der CCC konnte mit einem einfachen Gerät zunächst den Inhalt dieser Chips problemlos auslesen. Danach fungierte das gleiche Gerät bei den entsprechend gesicherten Türen als Sender und wirkte so wie der Original-Chip. Damit öffneten sich dem CCC Tür und Tor. Selbst auf das Rollfeld konnten die Sicherheitsexperten des CCC problemlos vordringen.
Um die Daten des original Chips auszulesen, muss dieser nicht einmal dem Mitarbeiter entwendet werden. Es genügt, sich mit dem Lesegerät dem Chip zu nähern, denn die Daten werden per Funk ausgelesen. Stellt sich der Hacker mit dem in der Tasche verborgenen Gerät beispielsweise in einem Aufzug neben den Chip-Träger, sind die unverschlüsselten Daten schnell erbeutet.
Eine Sprecherin des Hamburger Flughafens wies den Bericht zurück und erklärte, der vom CCC geknackte Chip-Ausweis ermögliche nicht automatisch den Zugang zu den Sicherheitsbereichen. Der Zutritt zu Sicherheitsbereichen werde nicht allein durch die Chip-Karte geregelt, sondern es erfolge auch eine Personenkontrolle. Außerdem habe der Flughafen das Problem bereits gelöst. Der CCC kritisiert vor allem, dass das veraltete System die auf den Chips gespeicherten Daten nicht verschlüsselt, sodass sie im Klartext ausgelesen werden können.
Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte gegenüber dem ARD-Magazin: "Wir haben gegenüber den Flughafenbetreibern eine Überprüfung der Sicherheitskontrollen angeregt." Deutlich drastischer ist die Forderung von Rainer Wendt, dem Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, der den sofortigen Austausch gegen ein modernes System verlangt: "Der Sicherheitsbetrieb sollte sofort unter die strenge Aufsicht der Bundespolizei gestellt werden, damit die Flughafenbetreiber nicht länger schlampen können, wie sie wollen."
Andreas Lerg mit Material der dpa
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