24.03.2009, 10:14 Uhr | Sascha Plischke
Reisegruppe vor dem Tower of London: Google Street View zeigt Passanten nicht nur in unverfänglichen Situationen. (Foto: Google)Google droht in Großbritannien weiterer Ärger wegen der virtuellen Rundfahrt Street View. Dort berichten immer mehr Menschen, dass sie auf den Google-Fotos klar erkennbar und nicht unkenntlich gemacht seien – ein Verstoß gegen britische Datenschutzbestimmungen. Nun fordert eine private Organisation die Regierung auf, den Dienst vorläufig abschalten zu lassen.
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"Wir fordern eine Abschaltung des Systems und eine Untersuchung", so Simon Davies, Direktor von Privacy International, einer Menschenrechtsorganisation, die sich vor allem mit Privatsphäre und Datenschutz beschäftigt. In einer formellen Beschwerde fordert die Organisation die Datenschützer des Information Commissioner's Office (ICO) dazu auf, den Google-Dienst genauer unter die Lupe zu nehmen. Google habe sein Versprechen gegenüber den Datenschutzbeauftragten des britischen Parlaments gebrochen, die Persönlichkeitsrechte der Abgelichteten ausreichend zu schützen.
Tatsächlich hatte Google die Erlaubnis für seine Kamerafahrten in britischen Städten nur unter der Bedingung erhalten, die Gesichter von Passanten sowie die Kenzeichen aller Autos durch eine Verpixelung unkenntlich zu machen. Genau das funktioniert jedoch nicht immer. Das automatische System, mit dem Google die Bilder nach Gesichtern und Kennzeichen absuchen lässt, macht immer wieder Fehler und lässt Gesichter klar erkennbar zurück. Google besteht jedoch darauf, dass alle Verpflichtungen eingehalten würden. "Das ICO hat wiederholt betont, dass Street View über die nötigen Sicherungen verfüge, um die Privatsphäre der Menschen zu schützen."
Street View war am vergangenen Donnerstag in Großbritannien gestartet. Seither hat es zahlreiche Beschwerden von Menschen gegeben, die sich auf den Fotos ohne Anonymisierung wieder erkannt hatten. Unter anderem hatte es auch Wirbel gegeben um ein Foto von nackten, spielenden Kindern im Park und Aufnahmen von Privathäusern britischer Würdenträger. So fanden sich zum Start von Street View auch Bilder von Sex-Shop-Besuchern oder Betrunkenen, die in ihrem eigenen Erbrochenen auf der Straße liegen, auf manchen sind die Gesichter der Abgelichteten deutlich erkennbar.
Nach der formellen Beschwerde könnte Google nun tatsächlich ein einstweilige Sperrung von Street View drohen. Bereits am Wochenende hatte die Datenschutzbehörde ein entsprechendes Vorgehen signalisiert. "Bilder von Kindern müssen angemessen unkenntlich gemacht werden," sagte etwa ein Sprecher des ICO. Sollte es ein grundlegendes Problem geben, etwa dass Kinder systematisch abgelichtet werden und immer wieder auftauchten, wolle man Google zur Rechenschaft ziehen. Das ICO entscheidet über die Zulassung von datenschutzrechtlich bedenklichen Diensten.
Google selbst ist sich keiner Schuld bewusst, die Aufnahmen stammten schließlich von einer öffentlichen Straße. "Dies ist immer noch Teil der Umgebung einer öffentlichen Straße," sagte eine Sprecherin des Unternehmens der britischen Tageszeitung The Independent. "Sie [die Bilder] zeigen nur, was in einem bestimmten Moment auf der Straße geschehen ist. Das ist nicht Live." Auf die Sorgen der Eltern reagiert das Unternehmen mit einem Verweis auf die automatische Anonymisierung der Bilder. "Die meisten Gesichter werden unkenntlich gemacht. Sind sie das nicht, dann können die Eltern das Bild mit einem Knopfdruck entfernen lassen."
Auch in Deutschland hat Google mit Street View schon für Ärger gesorgt – obwohl der Dienst hierzulande noch gar nicht gestartet ist. So wehrte sich erst die kleine Gemeinde Molfsee in Schleswig-Holstein gegen die Durchfahrt von Googles Kamerawagen. Aber auch der Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung Peter Schaar steht Street View skeptisch gegenüber. So ist im Gespräch, Google dazu zu zwingen, eine Genehmigung für die Aufnahmen einzuholen. Dann könnten die Gemeinden das Abfotografieren der Straßen ganz legal unterbinden. Google besteht hingegen darauf, dass Straßen öffentliches Eigentum seien und der Konzern keine spezielle Erlaubnis brauche. Schließlich, so eine Sprecherin, sei Street View "kein Werkzeug für Kriminelle".
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