04.08.2009, 08:27 Uhr | t-online.de
Hitzige Angelegenheit: Apples iPods sollen zuweilen in Flammen aufgehen. (Quelle: dpa)Mit einem Knebelvertrag will Apple offenbar Kunden zum Schweigen bringen, deren iPod in Flammen aufgegangen ist. Wie die britische Tageszeitung The Times berichtet, hatte der Computer-Hersteller zumindest in einem Fall die Rückerstattung des Kaufpreises eines schadhaften Gerätes an eine Schweigeverpflichtung der betroffenen Familie geknüpft. Offenbar versucht Apple damit, den Geschichten über explodierende und brennende iPods Herr zu werden.
Die ganze Misere begann für Ken Stanborough aus Liverpool letzten Monat, als der iPod Touch seiner elfjährigen Tochter Ellie plötzlich heiß lief und seltsame Geräusche machte. "Es gab einen zischenden Laut von sich", so der Familienvater. "Ich konnte es in meiner Hand heißer werden fühlen und ich glaubte, Dampf zu sehen." Also tat der 47-Jährige das einzig Vernünftige – und warf den MP3-Player kurzerhand aus dem Fenster. Kaum 30 Sekunden später sei ein lautes "Popp" zu hören und ein großer Schwall Rauch zu sehen gewesen, während das Gerät mehrere Meter in die Luft geflogen sei. Danach war der iPod nur noch Schrott.
Stanborough rief daraufhin bei Apple an, in der Hoffnung auf eine Entschuldigung oder zumindest eine Rückerstattung des Kaufpreises. Dort wollte man zunächst jedoch kein Verschulden zugeben und auch keinen finanziellen Ausgleich in Aussicht stellen. Nach Angaben der Times erhielt Stanborough nach dem Anruf jedoch einen Brief, in dem sich Apple bereit erklärte, den Kaufpreis von umgerechnet 190 Euro zu erstatten. Voraussetzung dafür sei allerdings eine Schweigeverpflichtung: Weder Stanborough noch seine Frau oder Tochter hätten jemals mit Dritten über den Vorfall sprechen dürfen. Anderenfalls, so das Schreiben, drohten Vertragsstrafe und Schadenersatzzahlungen.
Erbost verzichtete Stanborough auf das Geld und verweigerte die Unterschrift. "Ich hielt das für einen sehr verstörenden Brief. Die wollten ein lebenslängliches Urteil über mich, meine Tochter und Ellies Mutter verhängen." Selbst wenn die Familie auch nur zufällig etwas verraten hätte, etwa im Freundeskreis oder gegenüber einem Kollegen, hätte das ernste finanzielle Konsequenzen haben können. Stanborough zeigte sich schockiert: "Wir haben nicht einmal eine Entschädigung gefordert, wir wollten nur unser Geld zurück."
Es wäre nicht das erste Mal, das Apple versucht, die Geschichten von explodierenden und in Flammen aufgehenden iPods zu unterdrücken. So hatte ein amerikanischer Reporter einen 800-seitigen Bericht von der amerikanischen Stelle für Produktsicherheit CPSC angefordert, in dem in mehreren Fällen auf Probleme mit den in iPods verbauten Lithium-Ionen-Akkus aufmerksam gemacht worden war. Apple-Anwälte hatten die Herausgabe des Dokuments monatelang mit juristischen Winkelzügen verhindert. 2006 hatten Apple und Mitbewerber Dell Millionen von Batterien zurückrufen müssen, weil sie für Überhitzungsprobleme und Feuergefahr in Notebooks gesorgt hatten.
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