04.02.2010, 10:14 Uhr | pcwelt.de
Der neue Aldi-PC steht in den Regalen des Discounters und das Online-Magazin der PC-Welt hat sich das vermeintliche Schnäppchen bereits genau angesehen: Im Tempotest und bei den Lautstärke- und Verbrauchsmessungen durfte der Medion Akoya E4360D zeigen, ob er wirklich ein günstiges Angebot ist – oder nur ein weiterer Billig-PC. Die verbaute Grafikkartehat die Tester allerdings stutzig gemacht: Der ominöse Name Geforce GT 330 verspricht eine Grafikkarte der neuesten Generation. Die Wahrheit sieht jedoch ganz anders aus.
Das Aldi-Prospekt zum Medion Akoya E4360 D liest sich zunächst vielversprechend: Für 499 Euro bietet der Discounter einen sehr gut ausgestatteten PC auf dem Stand der Technik. Brandneu ist beispielsweise der Intel-Prozessor Core i3-530, den Aldi als "richtig stark" bezeichnet. Das ist gar nicht mal übertrieben, denn wie die Tempotests zeigen, kann sich die Rechenleistung des 2,93-GHz-Prozessors durchaus sehen lassen. Im Gegensatz zu den größeren Core i5-Prozessoren besitzt der Core i3 im Aldi-PC aber keine automatische Übertaktungsfunktion. Statt dessen schaltet der Prozessor im Ruhemodus einen Gang runter auf 1,33 Gigahertz – das reduziert die Kernspannung und verringert den Stromverbrauch deutlich. So kommt der Aldi-PC im Desktop-Modus auf einen traumhaft niedrigen Wert von 53 Watt.
Aldi verspricht mit der Nvidia Geforce GT 330 eine "brillante Grafik" für den Medion Akoya E4360D – eine vermeintlich brandneue Grafikkarte, die aber auf der Webseite von Nvidia nicht gelistet wird. Dass es sich dabei um keine Grafikkarte der nächsten Generation handelt, verrät bereits die Herstellerangabe "DirectX 10 Grafik". Im Test konnte das Info-Tool mehr Aufschluss geben, als die undurchsichtigen Angaben im Prospekt.
Aufgrund der wenigen unterstützten Funktionen für DirectX 11 ist sicher, dass die Karte nicht einmal zur aktuellen Produktionsreihe der DirectX-10.1-Karten gehört. Ein Vergleich des Chiptaktes und des Speichers der Grafikkarte mit bekannten Modellen zeigt starke Ähnlichkeiten mit der Geforce 9600 GSO: Diesen Chip brachte Nvidia bereits im April 2008 auf den Markt. Nach Abschrauben des Kühlkörpers konnte die Modellnummer des Grafikchips weiterhelfen. Sie lässt auf eine Geforce 9800 GT schließen, doch dafür bringt die Grafikkarte nicht genug Leistung. Tatsächlich schneidet die Karte im Tempotest noch schlechter ab, als eine GT-9600 Grafikkarte, wie sie im Aldi-PC vom November 2009 zum Einsatz kam. Woraus die Karte tatsächlich zusammengeschustert wurde, muss man schlussendlich raten.
Das Mainboard des Aldi-PC läuft mit dem Intel-Chipsatz P55. Das ist schade, denn mit ihm lässt sich der auf dem Prozessor integrierte Grafikchip nicht nutzen. Auf dem Mainboard befindet sich auch der 7.1-Surround-Sound-Chip, der die Audio-Signale über vier analoge Ausgänge oder den optischen S/P-DIF-Ausgang an die Boxen weiterleitet. Weiter verfügt der Medion Akoya E4360D über vier Gigabyte Arbeitsspeicher und eine Terabyte-Festplatte. Das Rotationstempo der Festplatte wurde auf etwa 6000 Umdrehungen pro Minute reduziert, was die Geschwindigkeit verringert, aber weniger Strom verbraucht und leiser ist. Für die richtige Geschwindigkeit im Netzwerk sorgen der Gigabit-Netzwerk-Chip und das WLAN nach aktuellem Standard 802.11n. Im Gegensatz zu früheren Aldi-PC wird der Medion Akoya E4360D nicht mehr mit kabelloser Maus und Tastatur ausgeliefert – die Tastatur besitzt dazu noch einen alten PS/2-Stecker.
Auch das Netzteil mit der Leistung von 350 Watt ist etwas mager: Sollten Sie auf die Idee kommen, sich eine bessere Grafikkarte einzubauen, sollten Sie lieber gleich ein Netzteil dazukaufen.
Die Schnittstellenausstattung des Medion Akoya E4360D ist umfangreich: Insgesamt 26 Möglichkeiten gibt es, vom Kopfhörer bis zur externen Festplatte alles anzuschließen, was Ihnen lieb ist. An der Front befinden sich zwei USB-Buchsen, sowie je einen Anschluss für Mikrofon und Kopfhörer. Hinter einer Klappe versteckt sich eine eSATA-Schnittstelle und der Kartenleser, der die Formate CF, MMC, MS, SD, SM und XD unterstützt. Oben sitzt der Datenhafen 2, an den externe Festplatten angeschlossen werden können – allerdings nur solche mit Medions proprietärer Schnittstelle. Dort ist auch ein versenkbares Kabel mit Mini-USB-Stecker montiert, mit dem Sie schnell Geräte wie eine Digitalkamera anschließen können. Die restlichen Schnittstellen sind hinten angebracht: 6 USB-Ports, Netzwerk- und Firewire-Anschluss, zwei PS/2-Buchsen, sowie DVI, HDMI und VGA für den Videoausgang und die analogen Audioausgänge und der digitale S/P-DIF-Ausgang für den Surround-Sound.
Der Aldi-PC ist wie gewohnt üppig mit Software ausgestattet. Windows 7 Home Premium ist in der 32-Bit-Version vorinstalliert und liegt zusätzlich auf der Recovery-DVD als 64-Bit-Version vor. Auf der Recovery-Partition liegen außerdem alle nötigen Treiber für das 32-Bit- und das 64-Bit-Betriebssystem. Außerdem sind Microsoft Works 9, das Brennprogramm Cyberlink Power2Go 6 und Corel Draw Essentials 3 vorinstalliert. Dazu gibt es noch eine 30-Tage-Testversion des Antivirenprogramms Bullguard Internet Security.
Im Grafik- und Prozessortest 3D Mark 06 erreicht der Aldi-PC für seinen Preis ein recht gutes Gesamtergebnis von 9608 Punkten. Damit liegt er gleichauf mit Multimedia-PC, die etwa 200 Euro mehr kosten. Beim reinen Grafikbenchmark HDR-Benchmark (Shader 3.0) liegt das Ergebnis eher im unteren Durchschnitt. Auch Billig-PC für 300 Euro können das leisten.
Unter PC Mark 05 ist das Gesamtergebnis von 9346 Punkten beim Medion Akoya E4360 D ebenfalls vergleichbar mit PC der 700-Euro-Klasse. Etwas über dem Durchschnitt liegt das HDD-Benchmark mit 7070 Punkten, was durch unsere Arbeit mit dem Medion Akoya E4360 D MD 8338 bestätigt wurde: Die Festplatte reagiert schnell und arbeitet zügig.
Die schwache Grafikleistung ist auch im Benchmark Cinebench 10 erkennbar: Mit 4993 Punkten ist das Ergebnis alles andere als gut.
Betrachten wir allein die Prozessorleistung, ist der Medion Akoya E4360D ein vollwertiger Multimedia-PC – mit einer besseren Grafikkarte wäre er auch zur Bearbeitung von HD-Videos geeignet. Mit der eingebauten Karte sollten Sie höchstens Videos in SD-Qualität bearbeiten. Für Filmwiedergabe und einfache Bildbearbeitung reicht die Leistung jedoch.
Durch die Stromspar-Eigenschaften des Prozessors kann der Medion Akoya E4360D mit sehr guten Verbrauchswerten punkten. Mit 53 Watt im Desktop-Betrieb verbraucht der Aldi-PC kaum mehr als ein Nettop. Auch unter Volllast blieb der Stromverbrauch mit maximal 115,3 Watt auf gutem Niveau. PC mit älteren Core-2-Duo-Prozessoren verbrauchen hier 200 Watt oder mehr. Im Standy-Betrieb verbraucht der Aldi-PC jedoch mit 5,3 Watt recht viel Strom. Ausgeschaltet verringert sich der Verbrauch auf wiederum gut 2,5 Watt – und mit ausgeschaltetem Netzteil zieht der Medion-PC keinen Strom mehr.
Bei den Aldi-PC des Jahres 2009 hatten wir mitunter Lautstärkeprobleme geltend gemacht: Von rauschenden Lüftern bis hin zu knatternden Festplatten reichten unsere Kritikpunkte. Umso größer war unsere Überraschung, als wir den Medion Akoya E4360D in Betrieb nahmen: Außer einem leisen Säuseln war in einer normalen Büroumgebung nichts zu hören, und auch beim Start diverser Anwendung konnten wir die Aktivität der Festplatte nur durch ein leises Knistern wahrnehmen.
Im Labor bestätigte sich der subjektive Eindruck: Mit 0,3 Sone flüsterte der Aldi-PC ungewöhnlich leise. Nur drei Konkurrenten, die über teure Kühlungskomponenten verfügten, waren leiser. Auch unter voller Last blieb der Messwert bei geschlossenem PC mit 0,7 Sone sehr moderat. Für die Medienwiedergabe im Wohnzimmer ist der Medion Akoya E4360 D aus dieser Sicht also sehr gut geeignet, da auch bei der Wiedergabe von Filmdateien von der Festplatte diese schön leise arbeitet.
Der Medion Akoya E4360D ist zum Preis von 500 Euro konkurrenzlos günstig und umfangreich ausgestattet. Der Aldi-PC läuft beeindruckend leise und der Stromverbrauch ist dank des leistungsstarken und gleichzeitig sparsamen Prozessors sehr gering. Bei den Hardware-Komponenten hätte Medion den PC harmonischer zusammenstellen können: Der brandneue Core-i3-Prozessor wird vom Mainboard-Chipsatz nicht in allen Funktionen (wie der integrierten Grafiklösung) unterstützt. Insbesondere die Grafikkarte mit veraltetem Chip hinter neuem Namen fällt negativ auf. Ihr HDMI-Ausgang überträgt beispielsweise nicht das Tonsignal. Dennoch bleibt der Aldi-PC ein Angebot mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis: Würde man den PC mit einer aktuelleren Grafikkarte aufrüsten, stünde da ein vollwertiger Multimedia-PC.
Die SATA-Kabel innerhalb des Gehäuses sind beim Medion Akoya E4360D so kurz, dass Sie ohne Kabeltausch kein weiteres optisches Laufwerk in den freien 5,25-Zoll-Schacht einbauen können. Das Bios-Setup erlaubt nur Basis-Einstellungen, Menüs zur Leistungssteigerung wie etwa der Änderung des Referenztaktes sind nicht vorhanden. Zu knapp kalkuliert ist beim Medion Akoya E4360D auch die Leistung des Netzteils. Das lässt wenig Spielraum bei punktuellen Hardware-Upgrades lässt. Die Aufrüstungsmöglichkeiten sind mit zwei freien Speicherstecklätzen, einem freien PCI-Expres-x1-Slot, einem PCI-Steckplatz sowie zwei unbenutzten SATA-Anschlüssen zwar nicht üppig, gehen aber für ein Midi-Tower-Gehäuse in Ordnung.
Alternativen zum Aldi-PC
Dank des sehr schnellen Quad-Core-Prozessors Intel Core i5-750 bietet der Agando Fuego @9500i5 ocd spürbar mehr Rechenleistung, geizt aber beim Lieferumfang. Der HE-Computer MiniEdition09 wiederum hat eine spieletaugliche Grafikkarte an Bord. Allerdings kosten beide PC etwa 250 Euro mehr als der Aldi-PC.
Aldi-PC Februar 2010 | |
Medion Akoya E4360D MD 8338 | |
Gesamtnote | gut (2,44) |
Testkategorie | PC bis 700 Euro |
PC-Hersteller | Medion |
Medions Internetadresse | |
Preis (Straßenpreis, Stand 02.02.2010) | rund 500 Euro |
Medions technische Hotline | 01805/633466 |
Garantie des PC-Herstellers | 36 Monate |
Aldi-PC Medion Akoya E4360D MD 8338 | |
BEWERTUNG (0-100 Punkte) | |
Tempo (30%) | 55 |
Ausstattung (20%) | 73 |
Handhabung (20%) | 74 |
Ergonomie (20%) | 48 |
Service (10%) | 87 |
Gesamtwertung | 64 von 100 |
Preis-Leistung | sehr günstig |
Aldi-PC Medion Akoya E4360D MD 8338 | |
TESTERGEBNIS | |
Benchmarks | |
PC Mark 05 | 9346 PC-Marks |
PCMark05 CPU | 7803 Punkte |
PCMark05 Memory | 6639 Punkte |
PCMark05 Graphics | 11.165 Punkte |
PCMark05 HDD | 7070 Punkte |
3D Mark 06 | 9608 3D-Marks |
3D-Mark 06 SM 2.0 | 4169 Punkte |
3D-Mark 06 HDR/SM3.0 | 3876 Punkte |
3D-Mark 06 CPU | 3069 Punkte |
Cinebench 10 Rendering 1 CPU | 3239 Punkte |
Cinebench 10 Rendering X CPU | 7609 Punkte |
Cinebench 10 Rendering OpenGL | 4993 Punkte |
3D Mark Vantage Score | 4550 Punkte |
3D Mark Vantage GPU Score | 3582 Punkte |
3D Mark Vantage CPU Score | 24.041 Punkte |
PC Mark Vantage Score | 6481 Punkte |
PC Mark Vantage Memories | 4798 Punkte |
PC Mark Vantage Communications | 5523 Punkte |
PC Mark Vantage Productivity | 4848 Punkte |
PC Mark Vantage HDD | 4496 Punkte |
Stromverbrauch | |
Betrieb | 53,0 Watt |
Last | 115,3 Watt |
Standby | 5,3 Watt |
Shutdown | 2,5 Watt |
Aus | 0,0 Watt |
Betriebsgeräusch | |
Ruhe | 21,3 dB(A) / 0,3 Sone |
Last | 26,9 dB(A) / 0,7 Sone |
Aldi-PC Medion Akoya E4360D MD 8338 | |
TECHNISCHE DATEN | |
Hauptplatine | Medionpc MS-7616 |
Chipsatz | Intel P55 |
Prozessor | Intel Core i3 530 (2x 2.93 GHz) |
Arbeitsspeicher | 4096 MB |
Grafikchip | Nvidia Geforce GT 330 (a.k , 768 MB |
Festplatte | 1x Western Digital WD10EARS-00Y5B1; 1000,0 GB |
optisches Leselaufwerk | nein |
Brenner | DVD-Brenner (unterstützte Medientypen: DVD+R/+R DL/-R/-R DL/+RW/-RW/-RAM, Tempo: 22-/16-/22-/12-/8-/6-/12fach) |
Betriebssystem | Windows 7 Home Premium 32- und 64-Bit |
Office-Paket | MS Works 9 |
Brennprogramm | Cyberlink Power2Go 6 |
Kommunikation | |
Ethernet | 1 (10/100/1000 MBit/s) |
WLAN | 802.11n |
Bluetooth | nein |
Kartenleser | ja (CF, MS, SD, MMC, SM, XD) |
Schnittstellen Peripherie | 2x PS/2, 9x USB, 1x Firewire, 1x E-SATA |
Schnittstellen Video | 1x VGA, 1x DVI, 1x HDMI |
Schnittstellen Audio | |
Mikrofon | 1 |
Kopfhörer | - |
Line-In | 1 |
Line-Out | 2 |
S/P-Dif in | - |
S/P-Dif out | 1 |
Quelle: PC-Welt
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