17.02.2011, 08:51 Uhr | Sascha Plischke
Sänger drohen 20 Jahre Haft für ein YouTube-Video. (Quelle: imago)
Eigentlich wollte der junge Sänger Evan Emory mit seinem YouTube-Video nur einen Streich spielen und dabei vielleicht etwas Publicity für sich einheimsen. Nun hat der 21-Jährige eine Anklage wegen Kindesmissbrauchs am Hals, bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu zwanzig Jahren Haft. In seinem Video ist Emory dabei zu sehen, wie er für eine Grundschulklasse einen seiner Songs spielt. Das Problem: Der Sänger hat die Bilder später mit einer Aufnahme des Songs mit einem Text voller sexueller Anspielungen unterlegt. Die klar erkennbaren Kinder scheinen dem anstößigen Inhalt zu lauschen und sich darüber zu freuen – und das fanden weder die Eltern noch die Polizei besonders lustig.
Emory stammt aus Muskegon County im US-Bundesstaat Michigan und bastelt dort an einer Karriere als Sänger und Internet-Berühmtheit. Vor dem nun beanstandeten Video hatte der junge Mann sich bei Auftritten auf kleineren Feiern gefilmt, einmal war er an einer Highschool in einen Arbeitsraum geschlichen und hatte die dort arbeitenden Schüler mit einem Ständchen überrascht. Das Ganze war ihm jedoch offenbar zu harmlos, und auch die YouTube-Gemeinde reagierte nur lau auf die Filmchen – kaum einer schaffte es über die Marke von 300 Views.
Wohl auch deshalb entschied sich Emory für seinen kleinen Streich. Am 12. Januar besuchte er die Grundschule in der Kleinstadt Ravenna. Dem Schulleiter erzählte er, dass er das Video für seine Bewerbung für die Aufnahme an einer Universität benötige. Den Kindern sang er dann einen Song, die Kids freuten sich, und Emory verschwand wieder. Später schlich er sich jedoch zurück in den leeren Klassenraum, filmte sich vor der Tafel in anstößigen Posen und schnitt die Szenen mit denen des Vormittags zusammen. Darüber legte er eine Aufnahme des Songs, den er den Kindern vorgesungen hatte – nur diesmal mit eher anstößigem Inhalt. Fertig war der YouTube-Clip, der Emory endlich berühmt machen sollte.
Dieser witzige Werbeclip wurde beim Super Bowl gezeigt - und findet nun auch viele Fans auf YouTube und Co. zum Video
Berühmt ist Emory nun, der unter anderem den US-Comedian Stephen Colbert zu seinen Vorbildern zählt. Denn als die Mutter eines der gefilmten Kinder das Video sah, komplett mit neuem Text und obszönen Gesten, erstattete sie Anzeige. Die Ermittlungsbehörden und der Bezirksstaatsanwalt bewerteten das mittlerweile gesperrte Video in einer Stellungnahme als "verstörend". Staatsanwalt Tony Tague fasst den Fall aus seiner Sicht zusammen: "Die Quintessenz dieser Sache ist, dass er in einen Klassenraum ging, die Gelegenheit nutzte und jedes einzelne Kind in diesem Klassenraum zum Opfer gemacht hat."
In Michigan gilt es bereits als Kindesmissbrauch, wenn ein Minderjähriger obszönem Material ausgesetzt wird. Gleichzeitig ist es ebenfalls strafbar, wenn in einem Video oder einer Schrift nur der Anschein eines Missbrauchs erweckt wird. Auf beiden Umständen fußt eine von Tague formulierte Missbrauchs-Anklage, die eine Höchststrafe von zwanzig Jahren Gefängnis nach sich ziehen könnte. Ob Emory tatsächlich so lange hinter Gittern wandern muss, ist zwar fraglich. Viele Freunde dürfte sich der Sänger jedoch nicht gemacht haben mit seiner Aktion, weder an der betroffenen Grundschule noch unter den Eltern der gezeigten Kinder. Vielleicht auch deshalb entschuldigte sich Emory schon einmal während eines Fernsehinterviews, wenige Stunden vor seiner Verhaftung. Er habe einfach nur lustig sein wollen.
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Sascha Plischke
Dieter schrieb:
am 17. Februar 2011 um 13:21:02
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Emory
also Leute, es weiß doch keiner was er veröffentlicht hat. Weshalb jetzt schon diese Vorverurteilung!
Hätte der Schulleiter diese
Genehmigung nicht erteilt, wäre es doch soweit gar nicht erst gekommen. Von einem Schulleiter erwarte ich doch etwas mehr Grips, er war doch stellvertretend für die Eltern. Und die hätten ihr Einverständnis bestimmt nicht dazu gegeben.
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Robert schrieb:
am 17. Februar 2011 um 13:19:49
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Hab das Video grad mal
angesehen. Also ich weiß beim besten Willen nicht weshalb man dafür 20 Jahre ins Gefängnis gehen soll. Aber da
zeigt sich wieder dieses Bigotte Amerika. Die Großbanken, Pharmakonzerne, etc. bestimmen wie regiert wird und gehen eben nicht in den Bau (bis auf wirklich sehr, sehr wenige Ausnahmen) wenn sie die Weltwirtschaft in eine Krise stürzen. Und wir in Deutschland sind auch nicht mehr so weit weg von den Zuständen wie sie in Amerika herrschen.
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Kein Amerikaner schrieb:
am 17. Februar 2011 um 13:06:55
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Jaja, die Amis schon wieder
Hätte ich nicht gedacht, daß die Amis da so gnädig sind. Hätte erwartet, daß man ihn zu 5 Milliarden Dollar
Schmerzensgeld, 300 Jahren Guantanamo mit anschließend nochmal 300 Jahren Fußfessel bestraft.
Die Amis drehen doch am Rad. Haben jeglichen Bezug zu Maß und Realität verloren. Hoffentlich ist die selbsternannte Weltmacht bald pleite. Das würde dem berühmten ROW (Rest of the World) sehr helfen !!!
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