29.05.2009, 09:58 Uhr | Christian Fenselau
(Bild: Google)
Mit dem neuen Dienst Wave plant Google, die Kommunikation im Internet auf völlig neue Füße zu stellen. Das hört sich verrückt und revolutionär an, zudem unrealisierbar. Das jedoch dachte man von vielen anderen Google-Diensten auch. Mit-Entwickler Lars Rasmussen hatte schon an Google Maps maßgeblichen Anteil.
Dokumente gemeinsam bearbeiten, Fotoalben austauschen, gegeneinander Schach spielen, Bloggen – und alles in Echtzeit, jeder mit jedem. Das sind neben E-Mail, Instant Messaging und Chat nur einige der Dienste von Google Wave. Dazu ist es einfach zu bedienen. Wer mitmachen will, kann das auch anonym, eine Registrierung bei Google wird nicht für alle Wave-Dienste vorausgesetzt. Wenn der Plan von Google tatsächlich aufgeht, erlebt das Internet nicht weniger als eine weitere Revolution. E-Mail in der jetzigen Form wirkt dagegen altmodisch, Chat und Instant Messaging auch.
Foto- Show Die Funktionen in Google Wave
Unter der Adresse http://wave.google.com/ zeigt Google auf einer Entwickler-Konferenz eine Vorab-Präsentation, auf der der US-Konzern die Möglichkeiten des neuen Dienstes vorführt. Wer sie sich in Gänze anschauen will, sollte außer passablen Englisch-Kenntnissen etwas Zeit mitbringen: Der Film dauert 80 Minuten. Außer der Wave-Oberfläche und deren Bedienung zeigt das Video auch einige technische Feinheiten, die spontanen Applaus beim Publikum hervorriefen, etwa die Auto-Korrektur beim Tippen von Texten. Die Funktion ist in der Lage, Sätze dem Sinn nach zu verstehen und Tippfehler zu korrigieren. Beispielhaft gezeigt wurde das am Satz: "Iceland is an island" ("Island ist eine Insel"). Der Satz wurde falsch "Icland is an icland" eingetippt, die Korrekturfunktion verbesserte sofort und richtig.
Google geht seinen Weg weiter, um das Internet zu verändern. Der Suchdienst, die Grundlage des US-Konzerns, ist unbestrittener Weltmarktmarkführer. Viele Internetnutzer kennen als Suchdienst nur Google, es gibt bereits das Verb "googeln" für "im Internet suchen". Google Maps und Google Earth waren weitere Projekte, die im Vorfeld von vielen als unrealisierbar angesehen wurden. Google bietet E-Mail, Online-Office, Terminkalender, Bilderdienst und vieles weitere an. In Google Wave werden diese Funktionen miteinander verwoben.
Bei aller Begeisterung für die Innovationskraft des Konzerns schwingt aber immer mit, dass Google in erster Linie ein Datensammler ist. Das macht den Konzern so erfolgreich, darauf basiert Googles Geschäft. Google verzahnt dabei die verschiedenen Teile besser miteinander als jeder andere. Daten sammeln, deren Möglichkeiten für neue Innovationen nutzen und letztendlich damit Geld verdienen. Google Wave kann zum Paradebeispiel für die Sammelleidenschaft werden. Google weiß, wen wir kennen, welche Texte wir schreiben, welche Fotos wir mit wem tauschen. Das kann zum größten Hindernis für Google Wave werden. Wer vermeiden will, dass Google auch seine Daten sammelt, wird Wave nicht einmal mit der Kneifzange anfassen.
Christian Fenselau
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